Kolumne

Froschmann sucht Frau

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Eine PR-Kampagne sorgt für das Liebesleben eines einsamen Frosches. Der Aufwand zur Rettung der letzten Tiere ihrer Art ist hoch und nicht immer erfolgreich.

Seine Einsamkeit machte ihn zum Medienstar. Das ist bisher keinem anderen Frosch gelungen. Aber Romeo, der Sehuencas-Wasserfrosch aus dem Naturkundemuseum im bolivianischen Cochabamba, hatte gute Public Relations Manager.

Zehn Jahre lang dümpelte er allein in einem Aquarium herum. Zahlreiche Medien berichteten, der Froschmann warte sehnsüchtig auf eine Partnerin. Belege für solch romantische Gefühle gibt es allerdings nicht. Es gibt jedoch auch keinen wissenschaftlichen Nachweis, dass er ganz froh war, seine Ruhe zu haben und dass er einem Leben in Zweisamkeit ohnehin abgeneigt war.

Jedenfalls wünschten sich seine Betreuer und mit ihnen große Teile der Weltöffentlichkeit, dass er eine Partnerin bekomme. Romeo, wie sie das Tier tauften, war das letzte bekannte Individuum seiner Art. Da Frösche nicht ewig leben und folglich auch nicht ewig zeugungsfähig sind, fürchtete man, er könne altersbedingt sterben ohne die Chance, seine Art durch Vermehrung zu retten.

Das war Lonesome George passiert. Dieser Riesenschildkrötenmann von den Galapagos-Inseln wurde 1971 als letzter Überlebender der Pinta-Unterart entdeckt und in die Charles-Darwin-Forschungsstation gebracht. Dort starb er 2012 im Alter von etwa 100 Jahren. Die jahrzehntelangen Nachforschungen in der Natur und den Zoos der Welt, um weitere Individuen (und möglichst Weibchen) aufzuspüren, war erfolglos geblieben. Verzweifelte Versuche, ihn mit anderen Unterarten zu kreuzen, um so seine Gene zu retten, schlugen fehl. Lonesome George war offenbar unfruchtbar geworden.

Sudan, der letzte Bulle des nördlichen Breitmaulnashorns, starb vor ziemlich genau einem Jahr. Von ihm gibt es immerhin Tiefgefrorenes in einer Samenbank und es leben noch zwei weibliche Tiere. So hoffen Forscher hier auf den Erfolg künstlicher Besamung, um diese Unterart zu erhalten.

Romeo hat aber nun die große Chance, sich ohne fremde Hilfe doch noch zu vermehren. Dank intensiver Suche in Gewässern der Anden konnten Feldforscher tatsächlich fünf seiner Artgenossen und – noch wichtiger – Artgenossinnen fangen. Gründlichst auf Krankheiten und Parasiten untersucht und für gesund befunden, wurde schließlich eine von ihnen mit Romeo zusammengeführt. Stilgerecht erhielt sie den Namen Julia.

Ob aber Romeo und Julia, das berühmteste Liebespaar der Weltgeschichte, hier passende Namenspaten sind, darf hinterfragt werden. Denn die beiden gehörten verfeindeten Familien an, durften nicht heiraten und starben durch Selbstmord, bevor sie die Gelegenheit zur Fortpflanzung hatten. Ob das ein gutes Omen für die Frösche ist?

Aber es gibt ja kaum andere Erfolg versprechende prominente Vorbilder. Die einstigen Traumpaare Babs und Boris, Caroline und Ernst August, jetzt sogar Thea und Thomas scheiden wohl aus. Mäkeln wir dennoch nicht an den Namen herum, sondern wünschen dem Paar Glück und viele Kaulquappen.

Gelänge die Rettung, wäre das im allerletzten Moment. Sollten wir uns dann über den Erfolg freuen? Es bleibt ein bitterer Beigeschmack, welch gewaltiger Aufwand nötig ist, um die letzten ihrer Art zu retten, und wie groß die Gefahr ist, dass es so schief geht wie bei Lonesome George.

Für den Artenschutz wäre es ein Fortschritt, wenn man Prinzen küssen könnte, damit sie zu Fröschen werden. Die Märchen besagen leider das Gegenteil.

Manfred Niekisch ist Biologe und ehemaliger Zoodirektor.

Rubriklistenbild: © AFP

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