Der Frohsinn wird siegen

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Manchmal höre ich mich mit Theresa May so laut lachen, dass die Wände von Downing Street 10 wackeln. Kurz darauf ist der Brexit Geschichte.

Das Jahr der fröhlichen Kolumne geht weiter. Vor zwei Wochen von mir ausgerufen, bleiben noch elf Monate bis zum absoluten Frohsinn. Jeder Tag beginnt mit einem Lächeln. Natürlich gibt es auch traurige Momente. Wer Theresa May zugehört hat, als sie ihren Plan B zum Brexit verkündete, der nur ein Plan Garnichts war, konnte nicht anders, als bittere Tränen weinen.

Aber immer, wenn ich denke, es geht nicht weiter, schaue ich mir eine meiner Lieblingskomödien an. „Eins, zwei, drei“ von Billy Wilder zum Beispiel oder „Dr. Seltsam“ von Stanley Kubrick – und schon geht es mir besser. Auch „Quo Vadis“ sehe ich gerne, obwohl es keine Komödie ist, aber wenn Peter Ustinov als Nero zur Leier greift (Rom brennt!), ist der Tag gerettet.

Traurig an diesen Filmen ist aber ihre Perfektion. Es ist fast unmöglich, sie zu übertreffen oder etwas Besseres zu finden. Worauf man auch stößt, man hat das Beste gesehen. Tröstlich wird es nur, wenn sich ein Riss in der Fassade zeigt.

Bis vor kurzem habe ich etwa gedacht, Peter Ustinov wäre wirklich unschlagbar als Nero in „Quo Vadis“: ein kindlicher, pausbäckiger Tyrann, der mit der ihm anvertrauten Welt spielt, als wäre sie aus Bauklötzen; lächerlich und grausam zugleich. Neulich sah ich Donald Trump im Fernsehen und dachte, er könnte einen noch verschlageneren Nero sein: noch kindlicher, noch mehr Bauklötze. Schon ist das Lachen wieder da.

Es kommt eben darauf an, aus welcher Perspektive man die Welt betrachtet. So machte ich am Wochenende Pause in einem Cafe der neuen Art, wo man nicht mehr bedient, sondern nach seinem Vornamen gefragt wird und doppelt soviel bezahlen muss. Die Männer trugen Bärte, die Frauen trugen glockenartige Röcke und hatten John-Lennon-Brillen auf der Nase. Am Nachbartisch wurden Start-Up-Projekte besprochen, von denen es hieß, sie würden die Welt besser machen, was im Wirtschaftsslang win-win-Situation heißt.

Ich dachte an Adam Smith, den Erfinder der Nationalökonomie, der vor 300 Jahren sagte, man solle niemandem trauen, der von sich behauptet, er würde aus Barmherzigkeit handeln. Hastig trank ich meinen Kaffee aus und suchte noch hastiger das Weite.

Zwei Stunden später fiel mir auf, dass ich mein Smartphone verloren hatte, meine Nachrichtenzentrale und mein Archiv, mein Fotoapparat und mein mobiles Büro. Die umfassende Maschine, deren Besitzer mein Leben in der Hand hat, was kein Problem ist, solange ich der Besitzer bin, was gerade nicht mehr der Fall war. Panisch lief ich alle meine Wege ab, nirgends war das Gerät zu finden, bis ich wieder im Cafe landete, wo mir eine freundliche Kellnerin (Glockenrock, Nickelbrille) erklärte, sie habe schon auf mich gewartet und sei extra länger geblieben, damit das Gerät nicht in falsche Hände falle.

Dankbar bestellte ich einen weiteren Kaffee und ließ mich in einen Sessel fallen. Das Café erschien mir plötzlich topsympathisch. Auch mit der Gründung eines Start-Ups konnte ich mich anfreunden. Ich dachte an eine online-Beratung zur Vermittlung der richtigen Komödien für die dunklen Stunden des Lebens. Schon sah ich mich mit Theresa May auf der Couch sitzen und einige Folgen von Monty Pythons Flying Circus sehen. Wir lachten so laut, dass die Wände von Downing Street 10 wackelten. Kurz darauf war der Brexit Geschichte, die Reichen mussten mehr Steuern zahlen und Peter Ustinov wurde zum Präsidenten der USA gewählt. Die Welt ist schön, der Frohsinn wird siegen.

Volker Heise ist Filmemacher.

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