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Premierministerin Theresa May (m.) kann trotz Brexit und Parteiquerelen noch lächeln.

Brexit

Gute Laune statt Chaos und Brexit

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Der grimmigen Stimmung in der Welt sollte öfter mit frohen Botschaften begegnet werden. Das gilt vor allem beim Brexit. Die Kolumne in der FR.

Oft werde ich gefragt, warum ich ausgerechnet dieses Jahr zum Jahr der frohen Kolumne ausgerufen habe. Nun, antworte ich, erstens konnte ich nicht wissen, dass die FDP die Agenda der Fleißigen (AdF) erfindet – was gefährlich nach Aufstand der Anständigen für Besserverdienende klingt oder Aufstehen mit goldener Kreditkarte – und zweitens: Irgendjemand muss ja etwas tun gegen die grimmige Stimmung in der Welt, oder? Darum springe ich wie heute jeden Morgen aus dem Bett, reiße das Fenster auf, schreie ein „Ja“ in den frischen Morgen und habe ein paar rohe Eier in der Hinterhand, um das Mitglied des Berliner Abgeordnetenhauses Harald Laatsch (AfD) begrüßen zu können.

Laatsch meinte, Klimaaktivisten hätten Schuld am Attentat von Christchurch, weil sich der Attentäter als Ökofaschist bezeichnet habe, was bei einem Massaker an Moslems vielleicht nicht logisch ist, aber warum sollte Laatsch auch logisch sein, wenn die Beine kurz sind und die Nase lang ist. Vielleicht hatte ja auch Asterix die Schuld am Tod von Jesus Christus, weil die Römer spinnen. Alles ist möglich, überall gibt es Zusammenhänge.

Auch Asterix war schon bei den Briten

Mein Asterix-Lieblingsbuch spielt bei den Briten. Die Menschen dort heißen Teefax und trinken lauwarmes Wasser. Meistens haben sie die Ruhe weg, wie heute auch, keine zwei Wochen vor dem B-Day und immer noch ist keine Entscheidung gefallen. Viele schütteln ja den Kopf bei all dem Chaos, aber ich bin ein großer Fan der Live-Übertragung aus dem Unterhaus und finde es prima, dass die entscheidenden Abstimmungen zur Primetime angesetzt werden, rund um das Abendbrot, aber noch vor der Champions League, was gleich zwei spannende Ereignisse an einem Abend verspricht.

Lesen Sie hier alles, was Sie zum Brexit wissen müssen

Mein Lieblingspolitiker des Monats ist ein konservativer Abgeordneter, der 20 Minuten vor der Abstimmung über den Deal verzweifelt sagte, ihm bliebe nicht mehr viel Zeit, aber er wisse immer noch nicht, wie er sich entscheiden solle: für den Deal oder gegen den Deal. Ich meine es ernst, denn der Mann hat mit sich gerungen, wie man als Abgeordneter mit sich ringen sollte, wenn man vor einer Entscheidung steht, die große Konsequenzen mit sich bringt und für die man die Verantwortung trägt. Was hilft der Fraktionszwang, wenn man sich abends doch im Spiegel ansehen muss.

Eine Party der Demokratie

Was sich in England abspielt, ist kein beschämendes Schauspiel, sondern eine Party der Demokratie – und wie bei jeder vernünftigen Party gibt es haufenweise Scherben und irgendjemand kotzt immer auf den Teppich.

Historische Ereignisse pflegen sich nicht nach Drehbuch zu ereignen und können auch nicht kontrolliert werden. Das Gegenteil ist der Fall. Sie sind meistens chaotisch und wer den Prozess auslöst, weiß nie, wie er enden wird. Der letzte französische König zum Beispiel rief 1789 die Generalstände ein, um den lästigen Adel mit Hilfe der Bürger zu zähmen, was ihn unter die Guillotine brachte, um sich dort als kopflose Aktion zu erweisen.

Daran sollten sich die Eliten Großbritanniens erinnern, die Mädchen und Jungs aus den exklusiven Clubs in Oxford und Cambridge, die ihre Macht in der Europäischen Union schwinden sahen und zur Notbremse griffen: Wer das Volk ruft, wird es so schnell nicht wieder los. Der Brexit ist schließlich das größte politische Experiment seit dem Fall der Mauer und wenn in zwei Wochen die nächste frohe Kolumne erscheint, sind die Würfel gefallen. Und nun die Eier.

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