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Greta Thunberg kann natürlich nächstes Jahr immer noch den Friedensnobelpreis erhalten.

Friedensnobelpreis

Und nächstes Jahr: Greta Thunberg

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Die Verleihung des Nobelpreises an eine junge visionäre Frau hätte Zeichen setzen können, wie wichtig Klimaschutz für den Frieden ist.

Nun hat sie ihn also doch nicht bekommen, den Friedensnobelpreis. Viel war darüber spekuliert worden, als bekannt wurde, dass Greta Thunberg dafür nominiert worden war. Das Komitee, welches den Preis vergibt, ließ vor der offiziellen Verkündung der Entscheidung natürlich nichts verlauten. Es gibt ja noch nicht einmal bekannt, wer nominiert war. Das Wissen darum bleibt geheim und verschwindet für 50 Jahre in den Akten. Das ist auch gut so. Denn den Preis zu gewinnen, ist eine hohe Auszeichnung. Ihn trotz Nominierung nicht zu erhalten, mag für manchen enttäuschend sein, aber eine Schande ist es nun wirklich nicht.

Aus den fünf Gebieten, in denen er vergeben wird, nämlich Physik, Chemie, Physiologie oder Medizin, Literatur und für Friedensbemühungen, werden nach dem Willen von Alfred Nobel Personen ausgezeichnet, die im vergangenen Jahr der Menschheit den größten Nutzen geleistet haben.

Friedensnobelpreis: Kontroverse um Obama

Sieht man sich die Liste der Preisträger an, könnte man den Eindruck bekommen, preiswürdige Friedensbemühungen seien vor allem Männersache. Denn fast 70 Prozent aller Auszeichnungen in diesem Gebiet gingen an Männer, nur rund 13 Prozent an Frauen. Der Rest ging an Organisationen.

Im Vergleich zu den anderen Gebieten schneiden Frauen beim Friedensnobelpreis anteilsmäßig sogar noch relativ gut ab. In keiner anderen Sparte gab es so viele Kontroversen, etwa um die Verleihung 2009 an Barack Obama, der als US-Präsident noch gar nichts für den Frieden geleistet hatte. Und als 2012 die Europäische Union ausgezeichnet wurde, fragte sich so mancher, um welchen herausragenden Friedensdienst die sich denn verdient gemacht habe.

Mehr noch als in den übrigen Gebieten zeigt der Friedensnobelpreis das riesige Spektrum auf, in dem sich Menschen für Friedensdienste einsetzen können. Der Gründer des Roten Kreuzes, eine Schriftstellerin mit literarischer Friedensbotschaft, eine Frauenrechtlerin, ein Gynäkologe, staatliche Verhandler von Friedensabkommen zwischen Kriegs- und Bürgerkriegsparteien. 

Besonders beeindruckend: die Vergabe des Friedensnobelpreises an Nadia Murad

Besonders beeindruckend war die Vergabe 2018 an die Irakerin Nadia Murad. Sie ist keine politische Entscheidungsträgerin, keine Repräsentantin einer Organisation, niemand der in Sicherheit lebte, wie manche, die den Preis vor ihr erhalten hatten, sondern sie war selbst Opfer von übelster Folter und Vergewaltigung und engagiert sich als direkt vom Leid Betroffene nach ihrer Rettung weltweit gegen sexuelle Gewalt als Kriegswaffe.

Als sie Präsident Trump kürzlich berichtete, dass ihre Mutter und Brüder von islamistischen Terroristen getötet worden seien, fragte der doch glatt und völlig unaufmerksam, wo die denn jetzt seien. Und er wusste noch nicht einmal, wofür die von ihm empfangene Nobelpreisträgerin die Auszeichnung erhalten hatte.

Greta Thunberg kann über die Jahre weiter vorgeschlagen werden

Dass Greta jetzt den Friedensnobelpreis nicht erhalten hat, ist keine Schmach. Dass sich das Komitee wieder einmal, so verdient er auch sein mag, für einen männlichen Berufspolitiker entschied, ist aber schon ein bisschen ernüchternd.

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Zivilgesellschaftlicher Einsatz zur Sicherung einer lebenswerten Zukunft wäre doch wirklich eine visionäre Leistung, die auszeichnungswürdig ist. Da ist es tröstlich, dass verdiente Personen wie Greta Thunberg über die Jahre auch mehrmals vorgeschlagen werden können. Denn ohne den Schutz des Klimas wird der Frieden auf Erden nicht zu sichern sein.

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