Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Für Sie gelesen

Frieden zu schaffen kostet

  • Harry Nutt
    VonHarry Nutt
    schließen

Kontroverse Debatte über den Einsatz in Afghanistan.

Während die Beobachter aus aller Welt darauf achteten, wie sich Russlands Präsident Putin und sein US-amerikanisches Pendant Obama beim Abendempfang begegneten, wurden im afghanischen Kundus islamistische Fahnen aufgesteckt, um einen höhnischen Kommentar auf die Aktivitäten der beiden Strategen abzugeben.

Sven Hansen bilanziert in der „taz“ nüchtern: „Kundus ist auch ein Signal an die internationale Gemeinschaft und besonders an jene Länder, die dort nach 9/11 militärisch interveniert haben. Der Abzug der Nato-Kampftruppen basierte auf jeweiligen innenpolitischen Erwägungen der Entsendeländer – nicht auf der Analyse der realen Lage vor Ort. Dort überwogen die warnenden Stimmen. Die bekommen jetzt leider recht. (...) Für die Deutschen ist Kundus ein besonders bitteres Signal. Die Bundesrepublik ist mit ihrer ersten großen militärischen Intervention mit humanitärem Anspruch außerhalb Europas nach dem Zweiten Weltkrieg gescheitert.“

Lauter geplatzte Hoffnungen, findet auch Rainer Hermann in der „FAZ“. „Eine Illusion war die Hoffnung, dass der Tod ihres Führers Mullah Omar die Kampfmoral der Taliban schwächen würde, dass der Rückzug der Staatengemeinschaft dem angeblichen Dschihad der Taliban gegen die ‚Kreuzritter‘ die Glaubwürdigkeit nehme. Die Taliban erobern Afghanistan zurück, und wieder werden Menschen vor ihrem Steinzeit-Islam fliehen. Wer die Lage in den Herkunftsländern der Flüchtlinge verbessern will, hätte die Bundeswehrsoldaten nicht aus Kundus abziehen dürfen.“

Florian Weigand stellt für die „Deutsche Welle“ einen Zusammenhang zur aktuellen Flüchtlingssituation her: „Was so eine Zukunft mit Taliban-Beteiligung für die Menschen bedeutet, die 13 Jahre relativen Friedens in der Ära des westlichen Engagements erlebt und sich in dieser sozialen Umgebung sozialisiert haben, kann man an den steigenden Zahlen der afghanischen Flüchtlingen ablesen, die an Europas Grenzen Einlass begehren. Möglicherweise entfaltet das Bild der Taliban-Flagge im Zentrum von Kundus eine weitere – von den Taliban sicher unbeabsichtigte Symbolkraft. Das Bild fordert die Regierungen in Europa heraus, den Afghanen möglicherweise einen ähnlichen Status einräumen zu müssen wie den Syrern und Irakern. Eine gewaltige Herausforderung vor allem für Deutschland, von jeher der Sehnsuchtsort der Afghanen.“

Afghanistan wird uns weiter beschäftigen, glaubt Daniel-Dylan Böhmer in „Die Welt“. „Angesichts der zahllosen Afghaninnen und Afghanen, die täglich zu uns kommen, wäre es schlicht dumm zu glauben, das Land gehe uns nichts mehr an. Bevor wir uns in Syrien ein zweites Afghanistan schaffen, sollten wir festhalten: Ein bisschen Frieden gibt es nicht. Um ein Bürgerkriegsland zu stabilisieren, braucht es jahrzehntelanges, intensives Engagement.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare