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Alice Weidel von der AfD glaubt nicht an menschengemachten Klimawandel. 

Aktionswochen Fridays for Future

Fridays for Future ist Kampf für Klima und gegen Patriarchat 

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Was das „Fridays for Future“-Bashing der AfD und der Rechten mit dem Patriarchat zu tun hat.

„Was hampeln die eigentlich freitags immer alle auf der Gasse rum?“, fragt der Jugendliche seine Mutter in einer Frankfurter Straßenbahn. „Die demonstrieren für eine bessere Klimapolitik“, antwortet die Frau. „Hä? Die sollten lieber in die Schule gehen.“ Genervter Konter: „Ganz dünnes Eis.“

Rechte gegen „Fridays for Future“-Bewegung  

Das dürfte der geschätzt 16-Jährige kapiert haben, der vermutlich aus weniger konstruktiven Gründen den Schulbesuch umgeht. Doch sich an der „Fridays for Future“-Bewegung (FFF) abzuarbeiten, hat der Bub nicht exklusiv. Vielmehr sind es meist Rechte und Konservative, die die Schulpflicht erst interessiert, seitdem Schüler*innen Politikunterricht kollektiv auf der Straße erlebbar machen. Ihnen ist das folgenlose Gequalle der Politikerkaste, die den menschengemachten Klimawandel nicht in time aufzuhalten gedenkt, schlicht eine existentielle Bedrohung.

Woher nur kommt die Aggression gegen jene, die diesen Planeten noch bewohnen wollen, wenn die aktuellen Player in Politik, Wirtschaft und Medien längst das Zeitliche gesegnet haben? Was triggert die Konservativen ebenso wie die extreme Rechte, wenn die Regeln wöchentlich außer Kraft gesetzt und die Vorurteile widerlegt werden, die Jugend interessiere sich nur für Netflix und Instagram?

Fridays for Future, die Konservative und die „Reichsbürger“

Man blicke in die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“, in der Reinhard Müller einen latenten Bezug zu den „Reichsbürgern“ herstellt: „Wenn hinter den Protesten und der offiziellen Sympathie dafür die Haltung steht, diese staatliche Ordnung, das System sei nicht in der Lage, die geeigneten umweltpolitischen Maßnahmen zu treffen, um das Land und den Planeten zu retten, dann ist der Weg zu reichsbürgerhaften Auswüchsen nicht mehr so weit.“ An anderer Stelle wird die „Widerstandsrhetorik“ mit der „Neuen Rechten“ in Beziehung gesetzt, immerhin findet es der extrem Rechte Götz Kubitschek durchaus als legitim, „die kleine Ordnung zu verletzen…, um die große Ordnung zu retten“.

Es ist eine grandios reaktionäre Schnappatmung, wenn man wie im Falle von Müller behauptet, ein „allgemeines Recht auf ‚zivilen Ungehorsam‘“ würde nicht existieren. Das ist Unfug, im Gegenteil ist kein Mensch in diesem Land gegenüber dem Staat zum Gehorsam verpflichtet.

Vielmehr muss der Staat begründen, warum er Freiheit und zivilen Ungehorsam einschränkt. Die Proteste der Fridays for Future hingegen mit der, das demokratische System strukturell in Frage stellenden extremen Rechten zu verknüpfen, zeugt von reiner Panik, die Deutungshoheit zu verlieren. Denn tatsächlich haben die jungen Leute die nachvollziehbare Einschätzung, dass der Staat nicht willens ist, „geeignete umweltpolitische Maßnahmen“ (Reinhard Müller) zu treffen. Damit wollen sie selbigen aber noch nicht abschaffen.

FFF - Das Versagen des Patriarchats

Die Jugend ist es, die das Versagen einer patriarchalen Struktur offenbart, deren Protagonisten mit einem Satz heißer Ohren für die Gören kein Problem haben dürften, merkt man doch diese Angefasstheit alter weißer Männer und Frauen. Tatsächlich ist den systemimmanenten Strippenzieher*innen ihr Versagen explizit, sie gehen aber lieber mit dem Autolobbyisten golfen, als sich einen Spiegel vorhalten zu lassen. Da kann schon mal die Zukunft nachfolgender Generationen in der Tonne landen.

Es wirkt beinahe wie der Wunsch nach einem Obrigkeitsstaat preußischen Models, in dem der Patriarch seine Definition von Recht und Ordnung nicht zu begründen braucht, sondern die eigene Herrschaft gerne mit dem Rohrstock durchsetzt. Was ist aber auch die Gletscherschmelze gegen das Einhalten disziplinarischer Regeln? Schließlich ist das Pflichtbewusstsein stets die stärkste deutsche Tugend gewesen.

Fridays für Future - Kampf gegen das Patriarchat

Stramm sich dem Ordnungsprinzip zu unterwerfen, betrifft Jugend und Frauen gleichsam, untergräbt der Widerstand gegen dieses Modell doch all das, was sich die Herren in den letzten Jahrhunderten hart unterdrückt haben. Gerne wird in diesem Zusammenhang der Aktionismus einer jungen Frau auf eine Eigenart herunter gebrochen, Jugendliche flächendeckend als „Schulschwänzer“ denunziert – weil man sich aus Arroganz weigert, das eigene Handeln in den Kontext der vorgebrachten Forderungen zu stellen.

Warum verwundert es wenig, wenn auch der AfD-Politiker Götz Frömming nicht auf seiner eigenen Peinlichkeit ausrutscht, der – „ein kollektives gemeinsames Aufmarschieren, das hatten wir zu oft in unserer deutschen Geschichte, und an dieser Stelle können wir hoffentlich alle gemeinsam nur sagen: Nie wieder“ – FFF tatsächlich mit dem Nationalsozialismus assoziiert? Einmal mehr wird beispielhaft, wie die extreme Rechte und Konservative Hand in Hand ähm marschieren, weiße Menschen, die mit ihrer kelleweise gelöffelten Weisheit die Erde in Grund und Boden stampfen.

Also, liebe Rotzlöffel da draußen, Fridays for Future ist nicht nur ein Kampf für eine andere Klimapolitik. Es ist gleichsam ein Kampf gegen das Patriarchat.

Am 29. November steht der nächste globale Aktionstag der Fridays for Future an. Die Frankfurter Ortsgruppe will offensiver werden und den Ablauf auf der Zeil stören.

Der Text ist ursprünglich im Magazin der rechte Rand RECHERCHE. ANALYSE. PERSPEKTIVE. magazin von und für antifaschist*innen erschienen.

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