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Carola Rackete appelliert an die Gesellschaft

Fridays for future

"Ein einzelner Streik ändert nichts" - Kapitänin Carola Rackete schreibt exklusiv für die Frankfurter Rundschau

Kapitänin Carola Rackete schreibt exklusiv für die Frankfurter Rundschau und hat eine klare Meinung: Wir müssen gemeinsam für eine bessere Welt kämpfen.

Der Amazonas brennt, Hurrikan Dorian verwüstet Barbados, Dürre zerstört unsere Wälder. Wir stecken schon mitten drin, in der Klimakrise. Nicht zu handeln hat fatale Konsequenzen. Deshalb gehe ich heute mit Hunderttausenden auf die Straße. 

Die Auswirkungen der Klimakrise habe ich zum ersten Mal vor acht Jahren auf einem Schiff in der Arktis mit eigenen Augen gesehen. Obwohl wir stundenlang suchten, konnten wir keine großen Eisschollen aus mehrjährigem Eis für die Probennahme finden. Früher war das anders, erzählten mir die Wissenschaftlerinnen.

Klimakrise: Ausmaß der Katastrophe wurde noch nicht verstanden

Seit den 1970er Jahren ist klar: Unsere CO2-Emissionen führen zu einer Erderwärmung, die die planetaren Ökosysteme aus dem Gleichgewicht bringen. Heute wissen wir, dass wir kaum noch eine Chance haben, die Erderwärmung auf zwei Grad zu begrenzen. Selbst dann nicht, wenn sich alle Staaten an den Klimavertrag von Paris hielten. 

Aber haben wir die Ausmaße dieser Katastrophe wirklich verstanden? Zwei Grad bringen uns gefährlich nah an Kipppunkte im Klimasystem – das grönländische und das westantarktische Eisschild könnten schmelzen, genauso wie das arktische Meereis im Sommer. Sind diese Prozesse angestoßen, dann folgen kaskadenartig weitere Kipppunkte wie etwa das Tauen der Permafrostböden oder die Wandelung des Amazonas in eine Trockensavanne. Wir steuern aktuell auf eine Heißzeit zu, die unumkehrbar ist. Der Zusammenbruch der menschlichen Zivilisation steht dann durch Hungersnöte und Konflikte tatsächlich bevor. 

Fridays for future: Ein Massiver Wandel ist nötig

Seit 1990 sind die Emissionen um 60 Prozent gestiegen, trotz 24 internationaler Klimakonferenzen und viel Fachkompetenz. Es ist illusorisch, zu hoffen, dass die Politik in Berlin die richtigen Entscheidungen für die Allgemeinheit oder zukünftige Generationen trifft. Es braucht einen massiven Wandel, vor allem eine Reduktion des Ressourcenkonsums, angetrieben von den Industrieländern. Aber der politische Wille, etwas zu verändern, fehlt. Denn diejenigen, die vom aktuellen Wirtschaftssystem profitieren, beeinflussen die Gesetzgebung durch ihre Lobbyarbeit. Freiwillig gibt niemand seine Macht ab, das sieht man auch aktuell in Hong Kong.

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Keine Gewerkschaft hat je an einem Streiktag eine massive Veränderung erreicht, und auch nicht soziale Bewegungen wie etwa die Frauenrechtsbewegung, die indische Unabhängigkeitsbewegung oder die Anti-Apartheidsbewegung. Deshalb ist es konsequent und richtig, dass die Schülerinnen und Jugendlichen seit Monaten jeden Freitag streiken. Aber wir alle müssen uns ihnen anschließen, sonst bleibt ihr Protest ohne Wirkung. Der Streik am 20. September kann nur der Anfang sein, wenn wir eine lebenswerte Zukunft für alle wollen. 

Wir leben in einem Zeitalter der Konsequenzen, sagte einst Winston Churchill. Auch heute ist es so: nicht zu handeln wird fatale Konsequenzen haben.

Carola Rackete, 31, ist Kapitänin. Sie hatte gegen den Willen der italienischen Regierung Geflüchtete, die ihr Schiff Sea-Watch 3 gerettet hatte, in Italien an Land gebracht.

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Aktivist*innen von Fridays for Future haben am Freitag, 20. September 2019 die Frankfurter Rundschau gekapert. Einfach bei www.fr.de/fridays Mailadresse eingeben, Verfizierungscode bekommen und die Klima-Sonderausgabe lesen.

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