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Am Wochenende könnte es noch mehr Gedränge an den Bahnhöfen geben.

Kolumne

Freie Bahn für alle - warum nur für Soldaten?

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Im Prinzip ist es eine gute Idee, dass Soldatinnen und Soldaten Züge kostenfrei nutzen dürfen. Aber was ist mit den anderen, die Feuer löschen oder Alte pflegen? Die Kolumne.

Eigentlich ist ja jede Verbilligung der Bahnfahrpreise ein Schritt in die richtige Richtung. Am besten wäre nach dieser Logik natürlich die kostenlose Variante. Und dieser Traum wird bald wahr, zumindest für einen Teil der Bevölkerung.

Kämpferinnen und Kämpfer unserer Bundeswehr sollen dafür gar nichts mehr bezahlen müssen. Ist das gut? Nun, gäbe es noch Radio Eriwan, lautete die Antwort „im Prinzip ja“. Dann aber folgten etliche Abers.

Zuerst wäre da die Frage der Machbarkeit. Denn besonders an den militärträchtigen Freitagen und Sonntagen sind die Züge ja schon heute überfüllt. Außerdem sind deren Biervorräte sowieso chronisch knapp, und Vaterlandsverteidigung macht allem Augenschein nach unbändig durstig.

Kaputte Gerätschaften - das kennt man ja

Ein gewaltiges Konfliktpotenzial, soldatisch gesprochen ein Pulverfass. Dass Züge häufig kaputt sind, dürfte Bundeswehrangehörigen hingegen schnuppe sein, das kennen sie schließlich aus dem eigenen Betrieb. Denn ob man auf einen ICE wartet oder auf einen Panzer, ist laut Radio Eriwan im Prinzip egal.

Aber gesetzt den Fall, der Bahn gelänge es, genügend rollendes Material auf die Schiene zu kriegen und dieses mit ausreichend Bier zu befüllen, drängt sich schon die nächste Frage auf. Unsere Verteidigungsministerin versichert ja glaubhaft, dass unsere Soldaten ja nicht nur im Umgang mit dem Schießgewehr versiert seien (und somit in der Lage, uns irgendwo auf der Welt zu verteidigen), sondern sie verrichteten auch an der Heimatfront wertvolle Dienste im Sinne des Allgemeinwohls.

Als Beispiele nannte sie Überschwemmungen und Waldbrände. Nun könnte man spitz erwidern, dass nicht wenige Waldbrände ja durch die Bundeswehr selbst verursacht werden. Für Überschwemmungen gilt dieser Einwand hingegen beim besten pazifistischen Willen nicht. Es ist nachweislich noch kein Damm durch den unsachgemäßen Gebrauch einer Panzerfaust durchbrochen worden. Noch nicht.

Jede Menge weiterer Kandidaten

Was aber zählt, ist ein ganz anderer Einwand: Bekämpft denn nur die Bundeswehr solche Vorfälle? Was, Frau Kramp-Karrenbauer, ist denn mit den vielen Leuten der Feuerwehren, des Roten Kreuzes, des Malteser Hilfsdiensts, des Arbeiter-Samariterbunds, des Technischen Hilfswerks und all den anderen Freiwilligen?

Warum dürfen denn die nicht kostenlos bahnfahren? Weil sie nicht bewaffnet sind? Wohl kaum. Und was ist mit den vielen meist jungen Leuten, die einen Bundesfreiwilligendienst ableisten? Etwa in Altersheimen, Krankenhäusern oder Behindertenwohnstätten? Sind die weniger wichtig als die kämpfende Truppe?

Und warum zählen nicht auch die vielen Menschen dazu, die trotz viel zu geringer Entlohnung unsere Gesellschaft am Laufen halten und somit unseren Wohlstand und unsere Sicherheit garantieren? Sie fangen Verbrecher, löschen Feuer, schützen die Natur, pflegen Alte und Kranke, fahren Straßenbahnen, putzen Büros, heilen Seelen und hüten Kinder.

Und jene, die die vielen Päckchen und Pakete liefern, Straßen kehren, an Supermarktkassen sitzen, Lastwagen lenken, Mülleimer leeren, Essen nach Hause bringen, Autos waschen oder Obst und Gemüse ernten? Und was ist mit jenen vielen, die zwar arbeiten wollen, aber keinen Job kriegen und von Hartz IV leben müssen? Hätten all diese Menschen nicht auch ein höheres Ansehen verdient?

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