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Emmanuel Macron

Leitartikel

Frankreich und der G7-Gipfel - Macrons Weltbühne

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Frankreichs Präsident wird sich beim G7-Gipfel kommende Woche als mächtiger Gestalter inszenieren. Dabei ist fraglich, ob er irgendetwas erreicht - ein Leitartikel.

Bevor Emmanuel Macron sein Abitur hatte, studierte und Karriere bis hinauf ins höchste französische Staatsamt machte, spielte er Theater. Leidenschaftlich und mit viel Sinn für Pathos verkörperte er seine Rollen unter dem strengen und zugleich bewundernden Blick der damaligen Leiterin der Schultheatergruppe, seiner heutigen Frau Brigitte Macron.

Den Hang zu ausdrucksstarken Worten und Gesten und die Liebe zur (Selbst-)Inszenierung hat sich Frankreichs Präsident bewahrt. Sein Kommunikationstalent war einer der Schlüssel für seinen Wahlerfolg. Es nützt dem 41-Jährigen weiterhin, auch beim Verfolgen seines Ziels, die diplomatische Bedeutung Frankreich zu stärken.

G7-Gipfel im südfranzösischen Biarritz

Nun fällt Macron die Rolle des Gastgebers bei der Ausrichtung des G7-Gipfels zu, der ab Samstag im südfranzösischen Biarritz stattfindet. Die Menschen in der Stadt fürchten die Ausnahmesituation mit hohen Sicherheitsvorkehrungen, die Proteste von Gipfelgegnern, die Gefahr von Krawallen.

Macron aber setzt auf starke Bilder mit sechs der mächtigsten Staats- und Regierungschefs in dem mondänen Heilbad. Überschattet werden dürften die Gespräche vom Handelsstreit zwischen den USA und China, die auch Europa unter Druck setzen, sowie von der Hongkong-Krise. Generell stellt sich bei internationalen Gipfeln die Frage, welche Ergebnisse und belastbaren Kompromisse zu erwarten sind – über vage Ankündigungen und die Selbstbeweihräucherung der Teilnehmer hinaus. Welchen Sinn haben Gespräche zwischen Politikern, deren Positionen von vorneherein festgefahren sind? Diese Problematik ist umso offensichtlicher, seit der US-Präsident nicht einmal mehr zum Schein auf Harmonie mit internationalen Partnern setzt.

Macron geht den diplomatischen Weg

Während Donald Trump seine Wähler über drastische Provokationen zu beeindrucken versucht, geht Macron den diplomatischen Weg. An diesem Montag, fünf Tage vor Beginn des G7-Gipfels, empfängt er in seiner Urlaubsresidenz Fort de Bregançon an der Côte d’Azur den russischen Präsidenten Wladimir Putin, der seit der Annexion der Krim 2014 aus dem Kreis der vorherigen G8 ausgeschlossen ist. Damit setzt Macron ein Zeichen der Entspannung trotz fortbestehender Meinungsunterschiede. In Frankreich erwarten viele, dass er wie beim pompösen Empfang Putins in Versailles 2017 die Lage der Menschenrechte und Moskaus Einflussnahme auf die Medien anspricht – mit unverblümtem Auftreten formt Macron seine Statur eines selbstbewussten Staatschefs. Darüber hinaus geht es um explosive internationale Themen wie die Sorgen um das iranische Atomprogramm, die Lage in Syrien sowie in der Ukraine, deren neu gewählter Präsident Wolodymyr Selenskij den Rückhalt der EU für die territoriale Integrität des Landes erhalten hat. Zumindest wird Macron gegenüber Putin auf die Wiederaufnahme von Gesprächen dringen – Antwort ungewiss.

Ähnlich begrenzt erscheint sein Spielraum beim G7-Gipfel. Im Vorfeld warnte der Élysée-Palast vor hohen Erwartungen, zugleich versprach Wirtschafts- und Finanzminister Bruno Le Maire hochtrabend die „Neugründung des Finanzsystems“ – auf dass es nachhaltiger und fairer werde.

„Gelbwesten“-Proteste in Frankreich

Nach den „Gelbwesten“-Protesten in Frankreich und infolge der großen Aufmerksamkeit für die Klimaaktivistin Greta Thunberg hat Macron Gleichheit und Umweltschutz zu Schwerpunkten ausgerufen, neben der Sicherheit und der Terrorbekämpfung, der digitalen Wirtschaft und der Förderung afrikanischer Länder. Künftig sollen auch andere Staaten in die G7-Gespräche miteinbezogen werden. Versprochen wurde das auch den Nichtregierungsorganisationen – doch diese beklagen, dass nur zehn Vereinigungen zugelassen wurden.

Das illustriert die Diskrepanz zwischen der Show und der Realität, den Versprechen und ihrer Umsetzung, den schönen Bildern vor toller Kulisse und den erwartbaren Fortschritten. Der PR-Profi und Theaterliebhaber Macron wird eine spektakuläre Veranstaltung inszenieren, durchaus getrieben von echten Ambitionen. Bleiben aber Resultate aus, wirft das einmal mehr die Frage auf, ob das Format des G7-Gifpels noch zeitgemäß und gewinnbringend ist. Zu Recht kritisieren Gipfelgegner fehlenden politischen Willen zur Bekämpfung der Armut weltweit und eine zutiefst ungleiche Weltordnung. So begrüßenswert es erscheint, dass die mächtigsten Politiker der Welt zum Dialog zusammenkommen, so enttäuschend ist es, wenn es wieder bei reinen Lippenbekenntnissen bleibt.

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