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Frankfurt setzt die falschen Prioritäten

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Der Bau von Bühnen für eine Milliarde Euro, während für Schulen zu wenig Geld da ist und bezahlbarer Wohnraum fehlt? Im Römer sollte man wieder mehr Politik machen für die Menschen, die in dieser Stadt leben.

Wer gegen den Bau eines (extrem) teuren Hauses für Oper und/oder Schauspiel argumentiert, gerät schnell in Verdacht, ignorant zu sein. Ignorant gegenüber der Bedeutung der Kultur im Allgemeinen. Ignorant gegenüber den Leistungen, die die Bühnen in Frankfurt seit vielen Jahren unbestritten erbringen. Ignorant auch gegenüber der Tatsache, dass es einen bundes-, wenn nicht europaweiten Wettstreit der Opern- und Schauspielhäuser gibt, in dem Frankfurt mithalten will.

In Wahrheit aber sind vor allem die Menschen ignorant, die jetzt getrieben von der Idee, in Frankfurt einen Prachtbau vergleichbar mit der Hamburger Elbphilharmonie zu errichten, Baukosten in absurder Höhe akzeptieren wollen. Sie sind ignorant gegenüber den Problemen, die diese Stadt und ihre Bürger haben.

Natürlich wird Frankfurt nicht alleine eine Milliarde Euro bezahlen müssen. Bund, Land und private Geldgeber werden sich beteiligen. Dennoch wird eine Summe übrig bleiben, die viel zu hoch ist für eine Stadt wie Frankfurt, die zwar ständig wächst, aber schon alleine von der Einwohnerzahl her mit Hamburg oder auch Köln nicht konkurrieren kann. Es stimmt auch nicht, dass die Lösung von großen Problemen wie der Wohnungsnot nicht am Geld scheitert, sondern nur an den fehlenden Flächen. Zur Erinnerung: Die Stadt hätte das Gelände des Alten Polizeipräsidiums kaufen und dort viele Hunderte bezahlbare Wohnungen bauen können. Den Zuschlag bekommen hat ein privater Investor, der bereit war, mehr zu zahlen. Er baut deutlich weniger und deutlich teurere Wohnungen, als möglich gewesen wären.

Doch man muss gar nicht über Großprojekte reden. In Frankfurt gibt es Schulen, an denen die Eltern Geld dafür bezahlen, damit in der Bibliothek auch Menschen arbeiten. Die Stadt stellt nur Räume und Ausstattung zur Verfügung. Und an manchen Ganztagsschulen gibt es in den Ferien keinerlei Betreuung. Das sei nur eine freiwillige Leistung der Stadt, heißt es dazu von der Politik. Mag sein – der Bau von Bühnen für eine Milliarde Euro ist aber auch keine Pflichtaufgabe.

Letztlich setzt Frankfurt die falschen Prioritäten. Es stimmt zwar: Ein Prachtbau würde viele Gäste in die Stadt locken. Er wäre ein Leuchtturm für Frankfurt. Doch braucht es das wirklich? Die Kommunalpolitik hat für 200 Millionen Euro die Altstadt aufbauen lassen, sie wirbt um Banker, die wegen des Brexit London verlassen müssen, und denkt nun an ein Bühnenhaus der Superlative. Im Römer sollte man wieder mehr Politik machen für die Menschen, die in dieser Stadt leben. Viele haben Angst vor Gentrifizierung, vor dem sozialen Abstieg. Ihnen ist mit derartigen Projekten nicht geholfen. 

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