+
Kuscheltiere und Blumen erinnern an den Ort des Geschehens. 

Gewalttaten in Hessen 

Mit der Unsicherheit leben

  • schließen

Verbrechen wie die Gräueltat vom Frankfurter Hauptbahnhof werfen Fragen der Sicherheit auf. Ein Kommentar.

Eine Woche ist seit der grausamen Tat am Frankfurter Hauptbahnhof vergangen. Ein Mann stößt einen acht Jahre alten Jungen und seine Mutter vor einen einfahrenden Zug. Die Mutter des Kindes kann sich retten, ihren Sohn aber nicht. Etliche Augenzeugen müssen psychologisch betreut werden. 

Am Hauptbahnhof Frankfurt ist die Tragödie nach wie vor präsent. Ein großes Blumenmeer am Gleis 7 erinnert an die Tat. Über den Täter ist bislang bekannt, dass er 40 Jahre alt, selbst Vater dreier Kinder ist, eritreische Wurzeln hat und aus der Schweiz kommt. Er war bereits im Jahr 2006 nach Europa gekommen, lange vor der Flüchtlingskrise aus dem Jahr 2015. Über das Motiv lässt sich nichts Sicheres sagen, ein Gutachter wurde beauftragt, ein psychologisches Profil über den Mann zu erstellen. 

Man kommt nicht umhin, eine Häufung von Gewalttaten in Hessen festzustellen. Aktuell zu nennen wären die Ermordung des Regierungspräsidenten Walter Lübcke oder die Schüsse auf einen jungen Eritreer in Wächtersbach. Alle Taten verbindet eines: die Frage nach der beständigen Sicherheit. Hessens Innenminister Peter Beuth verlangt zusätzliche Mittel des Bundes, um die Bürger besser schützen zu können. "Wir brauchen mehr Geld für Polizei und Sicherheit", wie Beuth der "Welt am Sonntag" mitteilte. Er übte außerdem scharfe Kritik an Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD), der die derzeitigen Mittel für ausreichend hält. Scholz hatte sich zuletzt im ZDF zur aktuellen Sicherheitslage geäußert. Priorität für die Sicherheit gebe es "schon jetzt" im Haushalt. Prinzipiell sei er natürlich dafür, beim Schutz der Bevölkerung alles zu tun, "was sinnvoll" sei. 

Geplante Lösungsansätze 

Doch wie sehen die Lösungen aus? Am vergangenen Montag (5. August) wurde eine entsprechende Projektgruppe der Deutschen Bahn ins Leben gerufen, um die Sicherheit an den Bahnhöfen zu verbessern. Die Gruppe soll Effizienz, Machbarkeit und Kosten ermitteln – zum Beispiel für Bahnsteigmarkierungen, Ansagen und mehr Sicherheitspersonal. Auch die Anzahl der Überwachungskameras soll erhöht werden. In München sollen erstmals in Deutschland Bahnsteigtüren, die das Gleis vom Bahnsteig trennen, eingeführt werden.  Beim Beispiel der rechtsextremen Gewalt hat der hessische Verfassungsschutz angekündigt, Menschen mit rechtsextremer Vergangenheit schärfer überprüfen zu wollen. 

Es sind Versuche, das Vertrauen in die Sicherheit wieder herzustellen. Auch wenn das zunächst hochgesteckte Ziel des Innenministers "Mehr Geld für Polizei und Sicherheit" noch nicht erreicht ist, zeigen sich Reaktionen auf die gewaltsamen Vorfälle, sowohl von Bahn als auch Verfassungsschutz. Ob diese Ansätze Früchte tragen werden, ist zurzeit noch völlig offen. Bis zum vom Innenminister angekündigten Sicherheitsgipfel im September vergeht noch Zeit – Zeit, die auch die Bürger nutzen sollten, wachsamer zu sein und Zivilcourage zu zeigen. Und das auch in Zukunft. 

Lesen Sie auch: 

Sie schaffen das, Herr Linnemann!

Der CDU-Politiker Carsten Linnemann beklagt mangelnde Deutschkenntnisse bei Kindern. Er vergisst, dass seine Partei zu den Verursachern des Problems gehört. Ein Kommentar.

Gentechnik: Tierversuche mit menschlicher DNA sind unethisch

Wissenschaftler implementieren in chinesischen Labors menschliche DNA in Affen. Unethisch, findet FR-Chefredakteur Thomas Kaspar in seinem Kommentar.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare