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Weihnachten ist das Fest der Wünsche - und die müssen sich ja nicht nur auf ein neues Tablet beziehen.

Zeit für Grundsatzfragen

"Wir haben das Wissen, wir können hoffen, jetzt müssen wir handeln" - Der Leitartikel

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Zeit für Grundsatzfragen: Wir haben das Wissen, wir können hoffen - nun wird es Zeit, dass wir handeln. In diesem Sinne: Frohe Weihnachten!

Was können wir wissen? Worauf können wir hoffen? Was sollen wir tun? Hängen wir doch mal diese philosophischen Grundsatzfragen wie Lametta und Kugeln an unseren Christbaum und betrachten sie als besinnliches Zubehör dieser Tage. Rund um Weihnachten und den Jahresausklang, wenn wir uns die Ereignisse der vergangenen Monate noch einmal vergegenwärtigen und einen Ausblick auf die künftigen wagen, ist die Zeit durchaus da für die großen Fragen.

Was können wir wissen? Beginnen wir mit dem Blick auf den unerfreulichen Zustand der Welt. Was das angeht, mangelt es uns nicht an Erkenntnissen: dramatischer Klimawandel, galoppierende ökonomische Globalisierung, Big Data, grassierender Populismus mit Schurken in den Regierungen, gesellschaftliche Verwerfungen ... Und verbunden damit die verbreiteten Ängste vor epochalen Veränderungen, vor materiellen und immateriellen Status-, Bedeutungs- und Werteverlusten.

Ein Horrorkabinett der Negativthemen

So weit das kleine Horrorkabinett der Negativthemen, die wir auch im Journalismus plakatieren. Sie kommen nicht gerade wie eine Quelle der Hoffnung daher. Doch es gibt auch andere Zeichen.

Die Möglichkeit, an Bildung teilzuhaben, ist für viele Menschen so groß wie noch nie, vor allem für Frauen. Das Bewusstsein für die katastrophale Entwicklung des Weltklimas ist gestiegen und auch die Einsicht in notwendige Gegenmaßnahmen. Zumindest in Europa geht es den allermeisten Menschen gut; sie leben so lange in Frieden wie niemals zuvor. Und, ganz wichtig, in vielen Ländern ist eine junge Generation herangewachsen, die offensiv für eine bessere Zukunft streitet. Sei es in Afrika, wo Jugendliche gegen Unterdrückung durch autokratische Herrscher demonstrieren, sei es die Demokratiebewegung in Hongkong oder die weltweit vernetzten Fridays for Future.

Ein Umbruch ist spürbar

Was können wir hoffen? In dieser Gemengelage tun sich viele Unsicherheitszonen auf. Ein Umbruch ist spürbar, wenn auch noch nicht überall fassbar, ein Schwanken zwischen Abbau und Aufbruch, Zuversicht und Regression. Doch wo entsteht da Hoffnung auf Zukunft oder Lust auf Veränderung?

Weihnachten ist das Fest der Wünsche und die müssen sich ja nicht nur auf ein neues Tablet beziehen. Wünsche sind ein Vorgriff auf das Kommende, eine Idee dessen, was noch nicht ist, aber sein könnte. Doch wer die gedankliche Grenze zur Zukunft überschreiten will, schafft es nicht allein mit Vernunft und Rationalität. Dazu gehört mehr. Ein ideeller Überschuss.

Religiöse Menschen haben es an dieser Stelle vielleicht einfacher. Ihnen kann der Glaube helfen, aus dem Jetzt eine Vision für das Künftige zu entwickeln und daraus Kraft und Zuversicht zu schöpfen. Für alle anderen kann gelten, wovon der Philosoph Ernst Bloch überzeugt war: „Es kommt darauf an, das Hoffen zu lernen.“

Jugendliche von Fridays for Future sind Vorbild  

Die Jugendlichen um Fridays for Future machen es vor. Angetrieben von der Vorstellung eines anderen Lebens und Wirtschaftens. Befeuert von der konkreten Utopie, dass das, was menschengemacht ist, auch anders, besser, gemacht werden kann.

Ausgehend von einer schwedischen Schülerin haben junge Menschen innerhalb kurzer Zeit eine globale soziale Bewegung aufgebaut, sich die Unterstützung führender Wissenschaftler gesichert und weltweite Klimastreiks mit Millionen von Demonstrierenden organisiert. Eine Graswurzelbewegung, der es gelungen ist, Regierungen weltweit unter Druck zu setzen. Sie fordert Zukunft für ihre Generation.

Jugendliche wollen nicht die Hoffnungsträger sein

Dabei gibt es kaum etwas, das die Jungen mehr nervt als Erwachsene, die sich der Bewegung parasitär andienen. Sie wollen nicht Hoffnungsträger für die Älteren sein, die sollen gefälligst selbst lernen, ihr Denken zu öffnen, sich Zukunftsvisionen und Handlungsspielräume zu erarbeiten.

Was können wir tun? Not und die Suche nach einem Ausweg daraus haben Menschen schon immer zum Handeln getrieben. Bleiben wir also mal bei der Frage des Klimas, oder, etwas weihnachtlicher ausgedrückt: Wie können wir die Schöpfung bewahren?

Albert Einstein meinte, dass Probleme nicht mit derselben Denkweise gelöst werden können, durch die sie entstanden sind. Nicht zufällig fordert deshalb der Club of Rome, dessen Experten sich seit Jahrzehnten für eine nachhaltige Entwicklung auf dem Planeten einsetzen, eine „neue Aufklärung“. Ein Überschreiten der alten Grenzen.

Denkgewohnheiten müssten ins Wanken gebracht und philosophische Ansätze und Überzeugungen des aufklärerischen 17. Jahrhunderts abgeschüttelt werden. Eine ökonomische und soziale Transformation zur globalen Nachhaltigkeit stehe an. Trends könnten aufgehalten und die erforderlichen Änderungen für den Erhalt des menschlichen Lebens geschaffen werden. Dann stehe einer aufregenden Reise in die Zukunft nichts im Wege.

Wir haben das Wissen, wir können hoffen, jetzt müssen wir handeln. Wünschen wir uns doch in diesem Sinne gegenseitig eine frohe Weihnacht.

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