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Die Frankfurter Arbeiterwohlfahrt (AWO) kommt nicht zur Ruhe.

Kommentar

AWO in Frankfurt braucht eine neue Führung

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Wenn die Frankfurter Arbeiterwohlfahrt verloren gegangenes Vertrauen zurückgewinnen will, braucht sie neues Personal an der Spitze. Ein Kommentar.

Viele Beschäftigte der Frankfurter Arbeiterwohlfahrt (AWO), die in Altenheimen, Kitas und Jugendzentren harte Arbeit leisten, verfolgen die negativen Nachrichten über ihre Organisation in einer Mischung aus Fassungslosigkeit und Wut. Die Mentalität der Selbstbedienung, die an der AWO-Spitze herrscht, die sich in Luxusdienstwagen und hohen Gehältern ausdrückt, ist ein Schlag in die Magengrube für viele an der Basis.

Die Aufklärungsarbeit über die Strukturen der Frankfurter AWO steht noch ganz am Anfang. Die Staatsanwaltschaft muss ermitteln, inwieweit tatsächlich Straftaten begangen worden sind. Geklärt werden muss unbedingt auch der Verdacht, die AWO-Spitze habe Kritiker unter Druck gesetzt und sie sogar beobachten lassen.

AWO in Frankfurt: Der Ruf ist stark beschädigt

Der Ruf der Organisation, das ist das Bittere auch für die vielen Ehrenamtlichen, ist aber bereits jetzt stark beschädigt.

Es ist eine Illusion, dass die Menschen, die über viele Jahre an der Frankfurter AWO-Spitze die problematischen Verhältnisse entstehen ließen, vielleicht gar beförderten, jetzt für Aufklärung sorgen können. Das AWO-Präsidium darf sich nicht mehr länger an seine Ämter klammern.

AWO in Frankfurt: Hoffen auf renommierte Kandidaten

Was die Organisation nun braucht, um verloren gegangenes Vertrauen zurückzugewinnen, ist neues Führungspersonal. Es wäre gut, wenn sich bei der geplanten Neuwahl der AWO-Spitze im Januar 2020 renommierte Kandidatinnen und Kandidaten fänden. Die Arbeiterwohlfahrt hat es verdient.

Die Affäre um die AWO schlägt auch politisch hohe Wellen: OB Feldmann hat Vertrauen im Römer verloren, noch aber stützt ihn die Koalition.

Von Claus-Jürgen Göpfert

AWO-Affäre in Frankfurt: Darum geht es

Der Kreisverband der Arbeiterwohlfahrt (AWO) in Frankfurt beschäftigt die Justiz schon seit einer geraumen Weile. Mitte November hatte die Staatsanwaltschaft bestätigt, dass sie ein Ermittlungsverfahren gegen Mitglieder des Vorstands eingeleitet hat.

Dabei ging es um den Vorwurf der Untreue und des Betrugs bei der Abrechnung von Leistungen gegenüber der Im November kamen dann noch weitere, neue Vorwürfe ans Licht. So soll Zübeyde Feldmann, Ehefrau des Frankfurter Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD), ein ungewöhnlich hohes Gehalt von der

AWO

in Frankfurt bezogen haben. Zübeyde Temizel – damals noch nicht mit Feldmann verheiratet, aber bereits liiert – leitete die neu gegründete

AWO

-Kindertagesstätte „Dostluk“ (Türkisch für „Freundschaft“) im Ostend in Frankfurt seit 1. Oktober 2015. Die studierte Erziehungswissenschaftlerin war zu diesem Zeitpunkt 29 Jahre alt.

Die Eingruppierung der Tätigkeit in die Tarifgruppe S 13 des Tarifvertrags des öffentlichen Dienstes (TVÖD) ist einer Leitungstätigkeit angemessen. Unüblich ist, dass Zübeyde, inzwischen verheiratete Feldmann, bereits im September 2017, also 23 Monate nach ihrer Einstellung, in der Endstufe 6 der Tarifgruppe S 13 eingruppiert war. Normalerweise dauert es 17 Berufsjahre, bis man sich von der Stufe 1 (aktuell 3.216,63 Euro brutto) bis zur Stufe 6 (4.506,69 Euro brutto) hochgearbeitet hat.

Dass die Frau des Oberbürgermeisters von Frankfurt dieses hohe Gehalt schon nach zwei Jahren bei der

AWO

und zudem einen Dienstwagen bekommt, wirft die Frage auf, ob es für diese großzügige Handhabung tragfähige sachliche Gründe gegeben hat.

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