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Fragwürdiges Vorgehen

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Von: Nina Luttmer

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Und im Bauch das Gepäck der Fluggäste.
Und im Bauch das Gepäck der Fluggäste. © Bernd Weißbrod/dpa

Menschen aus der Türkei sollen das Chaos an den Flughäfen eindämmen.

In den 1960er-Jahren ermöglichten sie das westdeutsche Wirtschaftswunder. Jetzt braucht Deutschland wieder ihre Hilfe – es geht um die Rettung unserer Urlaubsflüge!“ Das schrieb Deutschlands größte Boulevard-Zeitung am Mittwoch dazu, dass die Bundesregierung Tausende, vor allem türkische, Arbeiterinnen und Arbeiter ins Land holen will, um das Chaos an den Flughäfen in den Griff zu bekommen.

Ja, es scheint momentan für viele Menschen in Deutschland nichts Drängenderes zu geben, als den eigenen Urlaub zu „retten“. Emotional ist das nach zwei Jahren Corona-Pandemie zwar nachvollziehbar. Angesichts der aktuellen Weltlage wirkt das Thema jedoch maßlos überhöht. Und nun „importieren“ wir also Menschen, vor allem wohl ungelernte Hilfsarbeiter:innen, die sonst sicherlich niemals eine Arbeitserlaubnis in Deutschland erhalten würden, damit sie unsere Koffer aufs Gepäckband heben und für einen ruhigen Start in unseren Urlaub sorgen. Zu lange sollen die Menschen aber bitte nicht in Deutschland bleiben. Arbeitsminister Hubertus Heil versicherte am Mittwoch gleich all jenen, die gerne in den Urlaub ins Ausland fliegen, Ausländer:innen in Deutschland aber grundsätzlich nicht so gerne sehen: „Es ist keine dauerhafte Einwanderung nach Deutschland.“

Manchen Menschen in der Türkei, die eine hohe Arbeitslosigkeit hat, mag mit dem Angebot, vorübergehend in Deutschland zu arbeiten, geholfen sein. Dennoch wirkt das deutsche Vorgehen moralisch sehr fragwürdig.

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