Kommentar

Fragwürdiger Zeitpunkt für einen Castor-Transport

  • Joachim Wille
    vonJoachim Wille
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Im Frühjahr hieß es noch, der Castor-Transport nach Biblis sei wegen Corona zu gefährlich. Jetzt, in der zweiten Welle, rollt er plötzlich doch. Ist das Kalkül? Der Kommentar.

Keine Frage: Deutschland muss den hochradioaktiven Nuklearmüll zurücknehmen, der nun in sechs Castor-Behältern auf dem Weg an den AKW-Standort Biblis ist. Es gibt nicht nur eine moralische Verpflichtung dazu. Es existieren auch völkerrechtliche Verträge mit Großbritannien. Der Strahlenabfall ist in der Atomfabrik Sellafield bei der Wiederaufarbeitung von Brennstäben aus deutschen Kernkraftwerken angefallen. Ihn einfach dort zu lassen, ist keine Lösung. Der Transport ist alternativlos, auch wenn viele Atomgegner:innen das aus persönlich nachvollziehbaren Gründen anders sehen.

Nicht einzusehen ist allerdings, warum die strahlende Fuhre ausgerechnet jetzt, just zu Beginn des neuen Corona-Lockdowns, durchgezogen werden muss. Im Frühjahr hatte Bundesinnenminister Horst Seehofer den damals bereits geplanten Transport mit der Begründung abgesagt, er sei unter solchen Bedingungen zu gefährlich. Nun soll das, bei noch höheren Infektionszahlen, nicht mehr gelten? Die politisch Verantwortlichen hätten hier bei den Briten garantiert einen Aufschub erreichen können.

So drängt sich der Verdacht auf: Es kommt ihnen sogar ganz gelegen, wenn die Proteste - ebenfalls coronabedingt - eher schwach ausfallen. Noch ein Grund für Verdruss.

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