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Katrin Göring-Eckardt von den Grünen - ist es fortschrittlich, mit der Union zu koalieren?
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Katrin Göring-Eckardt von den Grünen - ist es fortschrittlich, mit der Union zu koalieren?

Die Grünen

Ist das nun Fortschritt?

  • Michael Herl
    VonMichael Herl
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Biomöhren bei Aldi und Grüne, die mit der CDU, der CSU und der FDP um eine Koalition schachern. Ist sie das, die bessere Welt? Die Kolumne.

Eigentlich habe ich den nun drohenden Vorwurf schon häufig entkräftet, dennoch muss ich es immer wieder tun, weil immer wieder das gleiche Geplapper kommt. Also: Ich kaufe nicht bei Discountern, weil ich Massentierhaltung, Preisdumping und Ausbeutung der Menschen in armen Ländern durch unsere Überflussgesellschaft nicht unterstütze. Ergo kaufe ich nur Lebensmittel, von denen ich weiß, wo sie herkommen und gebe mehr dafür aus als Kunden der einschlägigen Billigmärkte.

Nun zu besagtem Vorwurf: Nein, niemand ist zu arm, um mir das nachzutun. Man muss nämlich nicht immer alles haben und vor allem nicht täglich Berge von Fleisch in sich stopfen. Auch die oft ins Feld geführte kinderreiche Familie mit wenig Geld kann sich vernünftig ernähren. Man muss es nur wollen.

Billige Ökomöhren aus dem Discounter

Dennoch war ich unlängst beim Discounter. Für Theaterproben benötigten wir Karotten. Es war klar, die werden zerhäckselt, landen auf dem Boden und schließlich in der Biotonne. Dafür ist der Dreck aus dem Billigmarkt gut genug, dachte ich, betrat einen solchen – und begann das Stutzen. Stellte ich doch fest, dass man sich dort mittlerweile Mühe geben muss, ein Produkt zu erstöbern, auf dem nicht irgendein Biosiegel prangt.

Konventionelle Karotten fand ich jedenfalls keine und erstand notgedrungen einen Sack Ökomöhren, der aber auch nur wenige Cent kostete. Das lässt mich heute noch grübeln. Ist das nun gut? Ist es das, was wir vor Jahrzehnten wollten, als wir Lädchen gründeten, die wir „Brennnessel“ tauften (damals noch mit zwei n), „Grobschrot“ oder „Ursprung“?

Als wir Sojabrocken in uns hineintrieben, die selbst nach tagelangem Einweichen beim Kauen noch knarzten wie ein alter Dielenfußboden und auch genauso schmeckten, bittere Plörre namens „Soli-Kaffee“ aus Nicaragua soffen und saure Rebenbrühe, erquetscht von echt netten Landkommunarden, die zwar voller guter Absichten waren, aber bar jeder önologischen Kenntnis? All das taten wir uns an, weil wir eine bessere Welt wollten.

Zwanzig Prozent der Straßenverkehrsteilnehmer sind Radfahrer

Oder nehmen wir das Radfahren. Noch vor dreißig Jahren taten das Leute, die kein Geld für ein Auto hatten, Opas ohne Führerschein, Sportler oder verschrobene Umweltaktivisten. Heute sind in manchen Städten bereits an die zwanzig Prozent der Straßenverkehrsteilnehmer mit dem Rad unterwegs, Tendenz steigend. Und klar, wie beim Ökogedanken wurde die Bewegung zum Geschäft.

Neuester Trend sind Unternehmen, die Städte mit Leihrädern so überschwemmen, dass viele es schon als Pest empfinden. Es ist natürlich Schwachsinn, wenn jemand sich in einer mit Autos vollgestopften Großstadt darüber beschwert, wenn eine Firma ein paar Tausend Fahrräder dort hinstellt. Aber auch hier gilt: Aus Ideologie wurde Business.

Etwa zeitgleich mit den ersten Bioläden gründeten nette Menschen auch eine Partei und gaben ihr einen ebenso blumigen Namen wie den Lädchen, nämlich „Die Grünen“. Auch sie wollten ausschließlich Gutes, das Ziel war eine bessere Welt, wie auch immer die aussehen mag. Man stelle sich nun vor, all den lieben Leuten von damals hätte jemand prophezeit, es gebe mal Biomöhren bei Aldi, Leihfahrräder in Großstädten – und Grüne, die mit der CDU, der CSU und der FDP um eine Koalition schachern. Ist sie das nun, die bessere Welt?

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