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Der Komiker Wolodymyr Selenskyj verkörpert in seinem Auftreten eine Art postsowjetisches Lebensgefühl.

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Was folgt dem Protest?

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Der Wahlgewinner Selenskyi kann vor allem punkten, weil Präsident Poroschenko so enttäuschte.

Nach dem Untergang der Sowjetunion haben bei Wahlen in der Ukraine im Wechsel prowestliche und prorussische Kräfte gewonnen. Petro Poroschenko hat die Ukrainer so enttäuscht, dass bei der Wahl am Sonntag erneut ein Schwenk weg vom prowestlichen Lager zu beobachten war. Gewinner war der politisch kaum zu verortende Komiker Wolodymyr Selenskyj. Sein Sieg war die Folge einer Protestwahl. Allerdings sollte man den Faktor Russland nicht unterschätzen.

Selenskyj stammt nicht nur aus dem russischsprachigen Osten. Er verkörpert in seinem Auftreten eine Art postsowjetisches Lebensgefühl, das sich stark aus antiwestlichen Ressentiments speist. Er mag keine Marionette von Wladimir Putin sein, aber er ist ein „Russlandversteher“. Er hat im Stil von Donald Trump angekündigt, er werde als Präsident mit Putin sprechen und hören, was dieser so erwarte. Dann werde er seine Erwartungen nennen, und am Ende werde man sich in der Mitte treffen. Das aber wäre nicht nur naiv, sondern auch das Eingeständnis, dass Putin über das Schicksal der Ukraine mitentscheiden darf.

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