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Das Weltwirtschaftsforum in Davos wird von von Spezialeinheiten geschützt.
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Das Weltwirtschaftsforum in Davos wird von von Spezialeinheiten geschützt.

Davos

Die Folgen des Egoismus

  • Markus Sievers
    VonMarkus Sievers
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In Davos beginnt das Weltwirtschaftsforum. US-Präsident Donald Trump will die Weltwirtschaft amerikanischer, Xi sie chinesischer machen. Was bedeutet das für die restlichen Nationen? Unser Leitartikel.

Von einer zerrissenen Welt sprechen die Macher des Elitetreffens in Davos. Als sie diesen treffenden Titel für ihr Weltwirtschaftsforum wählten, konnten sie nicht ahnen, dass mit Donald Trump der Mann in dem Schweizer Nobelort auftreten würde, der diese Spaltung und Abschottung verkörpert wie kein Zweiter. Der US-Präsident wird in den Schweizer Bergen die Abschlussrede halten, sollten ihm nicht noch die innenpolitischen Querelen in Washington rund um den Haushalt einen Strich durch seine Reisepläne machen.

Das letzte Wort hat also Donald Trump. Dies gilt – leider – auch im übertragenen Sinne. Ein Dialog ist nicht vorgesehen und würde wohl auch keinen Sinn ergeben. Weder mit Angela Merkel (CDU), die nach längerer Auszeit im Berliner Tiefland in der Schweiz auf die große Weltbühne zurückkehrt, noch mit Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron oder den vielen anderen Regierungschefs und den zahlreichen Konzernbossen hat Trump viel zu besprechen.

Mit seiner rücksichtslos nationalistischen Politik überrollt er die internationale Agenda wie eine Lawine und wird im tief verschneiten Davos auch schon vor seinem Erscheinen die Gespräche dominieren. Und so wird es bei dem Gipfel vor allem darum gehen, eine Antwort auf diesen Umbruch in der globalen Politik ohne eine einheitliche Linie des Westens zu finden.

Dabei läuft die Weltwirtschaft rund wie seit Jahrzehnten nicht. Pünktlich zu Davos hat der Internationale Währungsfonds seine Wachstumsprognose noch einmal nach oben korrigiert. Alle großen Wirtschaftsblöcke – Nordamerika, Europa und China – tragen zu einem ungewöhnlich synchronen Aufschwung bei. Diese selten günstige Konstellation könnte für den Beginn einer goldenen Ära stehen. Leider spricht wenig für einen solchen Optimismus.

Von Anfang an Unsinn

Risiken gehen nach der langen Phase extrem niedriger Zinsen nicht allein von den hohen privaten Schulden in vielen Ländern aus. Ein tiefer Riss geht durch die Gesellschaften, weil vor allem in den wohlhabenden Ländern die Abstände zwischen Arm und Reich immer weiter auseinandergehen. Gebraucht würde in dieser unübersichtlichen Lage mit vielen Möglichkeiten durch den konjunkturellen Rückenwind und enormen Herausforderungen eine geschlossene internationale Politik. Tatsächlich präsentiert die sich zerrissen wie lange nicht.

Statt Strategien gegen die Ungleichheit zu entwickeln, arbeiten die führenden Wirtschaftsmächte gegeneinander. Die wirtschaftspolitischen Spannungen verschärfen sich zwischen den USA und China, den beiden größten Volkswirtschaften der Erde. Sie sind eigentlich in wechselseitiger Abhängigkeit miteinander verbunden und verwoben, in jüngster Zeit bedrohlich.

Schon geht an den Finanzmärkten die Angst um, Peking könnte die Kampfansagen aus Washington annehmen und zurückschlagen. Als größter Gläubiger finanzieren die Chinesen den US-Amerikanern das Leben auf Pump. Eine Drosselung dieser Kapitaltransfers über den Pazifik galt lange als unmöglich, weil sie beide Nationen und die Weltwirtschaft zu hart treffen würde. Auch diese Gewissheit beginnt zu bröckeln.

Vor zwölf Monaten nutzte der chinesische Staatschef Xi Jingping die Chance, sich als Führer einer verunsicherten Welt zu empfehlen. Mit blumigen Worten erfüllte er die Erwartungen des Publikums. „Protektionismus heißt, sich in einer dunklen Kammer einzuschließen“, betonte Xi. So weckte er Hoffnungen, ausgerechnet China könne den Freihandel gegen die USA verteidigen. Natürlich war dies von Anfang an Unsinn, weil Peking zu Hause eine knallhart nationale Industrie- und Abschottungspolitik fährt, die gar nicht passt zu den schönen Bekenntnissen zu Globalisierung und offenen Märkten.

In gewisser Weise haben die beiden wichtigsten Volkswirtschaften durch den Macht- und Kurswechsel in Washington ihre Handelspolitiken angenähert. Xi will die Weltwirtschaft chinesischer, Trump sie amerikanischer machen. Die Europäer, Afrikaner und Lateinamerikaner müssen mit zwei Supermächten fertig werden, die rücksichtslos ihre Interessen durchsetzen.

Trumps Steuerreform beschenkt Reiche

Neu ist das nicht. Aber ein wenig Enttäuschung darüber, dass wir im 21. Jahrhundert nicht weiter sind, sollte erlaubt sein. Dieser brutale Egoismus geht zudem über reine Rhetorik hinaus. Er hat reale Folgen, auch wenn die gute wirtschaftliche Lage bislang Manches überdeckt.

Mit seiner Steuerreform beschenkt Trump gerade die Millionäre und Milliardäre von Apple, Google und Facebook. Das spricht nur allen Beteuerungen des Immobilienmoguls Hohn, er wolle den Verlierern der Globalisierung helfen.

Es wird auch alle anderen Staaten von Japan über Frankreich bis Deutschland unter Druck setzen, ihrerseits den Firmen und Aktionären entgegen zu kommen. Das zeigt: Sozialer Ausgleich und Fairness sind ohne internationale Zusammenarbeit noch schwerer zu erreichen.

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