KOLUMNE

Flugdrohnen als Stadtplage

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Männliche Bienen haben Namensvettern, die ziemlich gefährlich werden können. Die taugen schon gar nicht als städtische Transportvehikel. Die FR-Kolumne.

Die Drohnenschlacht ist vorbei. Für dieses Jahr, aber schon im nächsten Sommer findet sie wieder statt. Die Fangemeinde kleiner raffinierter Fluggeräte ebenso wie die Zeitgenossen, die sich für Luftkämpfe begeistern, könnten verleitet sein, an einen Vernichtungskampf unbemannter Minihubschrauber zu denken. Doch eine Drohnenschlacht hat nichts mit moderner Technik zu tun und ereignet sich zudem am Boden. Das wissen all die, denen der Begriff noch aus dem Biologieunterricht bekannt ist. Für die Imker gehört er zum Standardwortschatz. Eine Drohnenschlacht spielt sich allsommerlich im Reich der Bienen ab.

Die Bedeutungserweiterung des Wortes Drohne ist beachtlich. Noch vor wenigen Jahren war eine solche nur bekannt als männliche Biene. Und die gelten als faul. Schließlich lassen sie sich bis zum späten Frühjahr von den Arbeiterinnen durchfüttern, fliegen dann los, um eine paarungswillige Bienenkönigin zu finden. Mit Glück dürfen sich einige wenige mit ihr paaren. Gleich danach sterben sie. Alle potenziellen Samenspender, die das Schicksal umsonst auf die Suche geschickt hat, werden schließlich aus dem Bienenstock geworfen und verhungern, wenn sie nicht sogar von den wegen ihres sprichwörtlichen Fleißes so gut beleumundeten Arbeiterinnen totgestachelt werden.

Drohnen-Überfluss biologisch äußerst sinnvoll

Bei den sehr geringen Hochzeitschancen der Bienenmänner könnte man der Meinung verfallen, die Natur leiste sich mit deren Massenproduktion einen Luxus. Aber weit gefehlt. Denn der Überfluss der Drohnen garantiert eine große genetische Bandbreite und verhindert Inzucht, ist also biologisch äußerst sinnvoll.

Von deren Namensvettern, den neuartigen Fluggeräten, kann man nicht immer behaupten, dass sie einen positiven Sinn haben. Sie gefährden, wenn von unbedachten, unfähigen oder gar böswilligen bodengebundenen Piloten gesteuert, allzu oft den Flugverkehr. Ganz zu schweigen von ihrer militärischen Nutzung. Da lassen sich menschliche und andere Ziele punktgenau ansteuern, ausspionieren oder gar für immer ausschalten. Die angreifenden Absender bleiben in Sicherheit. Mitunter weiß der Gegner nicht einmal, wer ihm die böse Luftfracht geschickt hat. So stiften diese Drohnen zumindest Verwirrung, wenn nicht Zerstörung.

Flugdrohnen als neue Stadtplage

Große Hoffnungen setzen manche Technikfreaks in die zivile Nutzung. Sie reichen von der Paketzustellung bis hin zum Flugtaxi in den vom Verkehrskollaps bedrohten Innenstädten. Haben die Befürworter sich jemals überlegt, was uns da künftig alles um die Ohren fliegen würde? Die Flugdrohnen passen in moderne Verkehrskonzepte ebenso wenig wie die schon jetzt zur Stadtplage gewordenen E-Scooter und die aus guten Gründen geschmähten SUVs. Sollen die Probleme verstopfter Innenstädte gelöst werden, indem nun ihr Luftraum von emsig propellernden Leichtbauwesen besetzt wird? Vielmehr müssten die Verbesserung und Kostensenkung des öffentlichen Personennahverkehrs zur obersten Priorität werden.

Mit seinem unablässigen Geplänkel um Nebenschauplätze wie sexy Fahrradhelme, Drohnen und andere Spielereien weist das Verkehrsministerium bisher keinen zukunftsfähigen Weg.

Das Bienen-Drohnensterben findet ganz bestimmt im nächsten Sommer wieder statt. Derzeit weist leider nichts darauf hin, dass bis dahin die absurde Idee der menschengemachten Drohnen als Teile eines Verkehrskonzeptes gestorben sein wird.

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