Lesbos und Co.

Flüchtlinge in Griechenland: Dem Coronavirus ausgeliefert

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Wenn die vergangenen Tage eines gezeigt haben, dann, dass die Krise Dinge ermöglicht, die undenkbar schienen. Das muss auch für Lesbos und Co. gelten.

In der Genfer Deklaration – der modernen Version des hippokratischen Eids – geloben Ärzte, sich nicht von ethnischer Herkunft oder Staatsangehörigkeit beeinflussen zu lassen.

Was für Mediziner gilt, scheint in der EU für staatliche Gesundheitsbehörden nicht zu gelten. Während nun auch Griechenland Ausgangsbeschränkungen verhängt, um seine Bürger vor dem Coronavirus zu schützen, sind auf den griechischen Inseln noch immer Zehntausende Flüchtlinge bei minimaler medizinischer Versorgung in Zelten zusammengepfercht. Dem Virus werden sie hilflos ausgeliefert sein. Auf Lesbos wurde bereits ein Fall gemeldet.

Alle Appelle, die Lager zu evakuieren oder wenigstens internationalen Standards anzupassen, sind verhallt, eine politische Lösung auf EU-Ebene weit entfernt. Doch wenn die vergangenen Tage eines gezeigt haben, dann, dass die Krise Dinge ermöglicht, die undenkbar schienen. Das muss auch für Lesbos und Co. gelten. Dem humanitären Argument sei eines hinzugefügt: Die medizinische Katastrophe, die sich dort abzeichnet, träfe ebenso die Griechinnen und Griechen.

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