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Was interessieren Katastrophen - Hauptsache, Helene singt für uns.

Kolumne

Das Floriansprinzip

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Alles ist immer so kompliziert. Zum Glück versprechen da die schöne Helene und ihr Ex romantische Ablenkung vom Chaos. Die Kolumne. 

Das ist ja alles ein ziemliches Durcheinander! Die Briten stimmen für den Austritt aus der Europäischen Union, wollen ihn dann aber doch nicht so richtig. Oder lieber überhaupt nicht. Auf jeden Fall aber ohne dass irgend jemand weiß, wie das geschehen soll, von dem keiner weiß, was es werden soll. Schon mutiert die Wortschöpfung vom Brexit zum Breshit.

In Frankreich gehen Leute mit gelben Westen auf die Straße. Im Look von Schülerlotsen protestieren sie gegen ihren Präsidenten. Weil vielen Frauen das aber zu gewaltsam geschieht, gehen die noch einmal extra und ohne Männer auf die Straße. Zur Unterstützung des Präsidenten marschieren dann im Gegenzug ein paar rote Schals durch die Hauptstadt der Grand Nation, aber es sind so wenige, dass der, den sie unterstützen wollen, sich von ihnen distanziert.

Es herrscht Chaos bei unseren Nachbarn. Deutschland dagegen ist derzeit über weite Strecken ein Hort der Harmonie. Zumindest, wenn man mancher Fernsehsendung und den Titelseiten einiger Zeitungen glauben darf.

Da sollten wir schon gerührt sein, dass ein Moderator, der gleich zwei Metalle im Namen trägt, ganz unverhofft auf der Bühne mit seiner schönen, wenngleich verflossenen Helene zusammentrifft. Kurz nach diesem romantisch manipulierten Show-Highlight folgte seine Ernennung zum Kapitän. Jetzt haben wir endlich wieder einen Kapitän. Nein, nicht am Ruder der Regierung, die eher einem schwerfälligen Dampfer gleicht. Sondern auf dem Traumschiff deutschen Fernwehs und öffentlich-rechtlichen Fernsehens. 

Alles halb so schlimm - Helene singt.

Das sind Glücksmomente pur. Und vielleicht brauchen wir die ja, um uns abzulenken von all den Problemen zwischen Berlin und Dieselskandal, Washington und zahlungsunfähigen Regierungsangestellten, Giftschlamm-Lawinen in Brasilien und Hungerprotesten in Venezuela. Florian und sein glückliches Schicksal verführen zu angenehmem Wegschauen. Das Prinzip funktioniert.

Eine ganz andere Macht des Schicksals rüttelt gerade die Opernfans auf. Die fulminante Neuinszenierung an der Oper Frankfurt führt in diesen Tagen zu heftigen Diskussionen darüber, was Giuseppe Verdi und dieses Melodrama wohl mit Rassismus und den USA zu tun haben.

Ein exzellentes Orchester und eben solche Sängerinnen und Sänger interpretieren den aufwühlenden Vierakter, beginnend mit der Sklaverei in den Südstaaten über den Vietnamkrieg bis zu moderner Polizeigewalt gegen Schwarze. Die Meinungen des Publikums sind heftig und sehr gegensätzlich.

Wirklich tiefgreifend Neues führt halt immer zu kontroversen Diskussionen, so wie die Schülerstreiks, die Deutschland zurzeit erlebt. Friedlich und zukunftsgewandt gehen junge Menschen auf die Straße, mit einem Ziel, das alle eint. Endlich ernsthafter Klimaschutz, in Deutschland und international. Es melden sich damit die zu Wort, für deren Zukunft wir derzeit das Klima vorbestimmen.

Da gibt es Politiker, die mit Hinweis auf die Schulpflicht herummäkeln, statt froh zu sein, dass junge Menschen lernen, Demokratie zu leben und ihre Rechte einzufordern. Man könne ja auch nach der Schule demonstrieren, nachmittags. Richtig, aber Arbeiter und Angestellte könnten dann ja auch in ihrer Freizeit streiken. Immerhin gibt es Schulleitungen, die die Zeichen der Zeit verstanden haben und Flexibilität zeigen, ohne dass gleich die Schulpflicht in Gefahr gerät.

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