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Feminismus, japanisch

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Die erhellenden Memoiren der Shidzué Ishimoto.

Das sind die Memoiren einer der wichtigsten Feministinnen Japans: Shidzué Ishimoto. Sie erschienen das erste Mal 1935. Zugleich in Japan und in den USA. Ein Riesenerfolg. Die Autorin war damals gerade 38 Jahre alt. Sie starb im Dezember 2001 im Alter von 104 Jahren. Diese frühen Memoiren liegen jetzt erstmals vollständig auf Deutsch vor. 

Natürlich vermisst man die sich daran anschließenden 60 Jahre, also die Verwandlung des imperialistischen Japans in einen ökonomischen Riesen und die Wandlungen im Verhältnis zu China und den USA. Shidzué Ishimoto beschreibt sehr deutlich: „Modernisierung“ hieß in Japan: „Verwestlichung“. John Stuart Mills 1869 erschienener Essay „On the Subjection of Women“, noch im selben Jahr ins Deutsche übersetzt als „Die Hörigkeit der Frau“, machte auch in Japan Furore, und Ibsens „Nora“ (1879) zeigte auch in Japan Frauen den Weg aus dem Puppenheim.

Der Kampf für Frauenrechte und die Auseinandersetzung um die ökonomische Entwicklung des Landes gingen zunächst zusammen. Shidzué Ishimotos Buch zeigt auch, dass, je weiter die Industrialisierung voranschritt, desto lauter der Ruf nach einer neuen autoritären Ordnung wurde. Die Frauenbewegung verband sich immer stärker mit der anwachsenden sozialistischen Agitation.

Frau Ishimoto und ihr Mann gingen ebenfalls diesen Weg. Aufenthalte in den USA und die dort angebahnten Kontakte zu der Gewerkschaft „Industrial Workers of the World“ beeindruckten sie sehr. Im Zentrum der Arbeit von Shidzué Ishimoto standen Familienplanung und Empfängnisverhütung. Das war in einer Gesellschaft, in der der Mann möglichst viele Nachkommen haben wollte, eine angefeindete Angelegenheit. 

„Mein Bauch gehört mir“ scheint zwar keine Parole der japanischen Frauen der 30er Jahre gewesen zu sein, aber es wird deutlich, dass es ohne die Befreiung aus der Rolle der Gebärmaschine auch damals keine Frauenbefreiung geben konnte. Die zwei Welten des Titels, das lernt man hier, sind so verschieden nicht.

Shidzué Ishimoto: Ein Leben in zwei Welten. Iudicium, 370 S., 39 Euro.

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