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Feine Sahne Fischfilet spielen in Wetzlar - und die CDU protestiert.

Protest gegen FSF

Endlich passiert hier mal was! Brennende Autos als Vorboten von Feine Sahne Fischfilet

Feine Sahne Fischfilet treten am 29. November in Wetzlar auf. Vor dem Konzert ist ein skurriler Protest angekündigt - von der CDU und „Pro Polizei“. Mehr dazu im Gastbeitrag - ganz nah dran und von der PARTEI.

Wetzlar. Malerisch liegt das kleine Städtchen inmitten einer sonnenverwöhnten Naturlandschaft, die auch als „die Toskana Hessens“ in internationalen Reiseführern Erwähnung findet und erst kürzlich das idyllische Death Valley in der Liste der beliebtesten Reiseziele der Welt abgelöst hat. 

Die Einheimischen sind von einfacher Natur und kurzer Gestalt und verbringen ihr Dasein zumeist an den Ausläufern der sich ruhig aber bestimmt durch die Region ziehenden Lahn oder in den prächtigen Kleewiesen, die den beschaulichen Ort ganzjährig in ein sattes Grün tauchen.

Feine Sahne Fischfilet - von Nazinetzwerken unter Beobachtung

Doch all diese lauschige Geruhsamkeit fand jüngst ein abruptes Ende, als sich das Konzert einer linken Schlagergruppe aus der Zone in der Wetzlarer Rittal-Arena ankündigte. Die Band „Feine Sahne Fischfilet“ steht nicht nur bei einschlägigen Neonazinetzwerken unter Beobachtung, sondern wurde in der Vergangenheit auch vom Verfassungsschutz des Landes Mecklenburg-Vorpommern observiert, in dessen Bericht von 2011 der Gruppe auch völlig zu Recht mehr Platz eingeräumt wurde als dem vergleichsweise harmlosen Terrornetzwerk NSU. 

In den Fokus geriet die Band, da sie sich, ähnlich wie seinerzeit Bundestags- und Schwarzer Block-Präsident Wolfgang Thierse, auch an schweren, staatsgefährdenden Verbrechen wie Blockaden von Neonazi-Demos beteiligte und nicht zuletzt durch den überspitzten Umgang mit dem Thema Polizeigewalt, die es in Deutschland natürlich nie gegeben hat.

Feine Sahne Fischfilet - Staatsfeinde Nr. 1

Das pittoreske Wetzlar erschütterte unter der Botschaft, dass diese linksgrün-versifften, vegan-verschwulten Staatsfeinde ausgerechnet hier eine Bühne bekommen sollten. Es hing noch kein Veranstaltungsplakat, da brannte auch schon als eine Art konservatives Frühwarnsystem das erste Auto aus, wenn auch nur aufgrund eines technischen Defekts. Die Zeichen der Zeit standen auf Angst. Szenen wie zum G20-Gipfel in Hamburg sollten sich hier auf keinen Fall wiederholen!

Feine Sahne Fischfilet spielen in Wetzlar - und die CDU protestiert.

Folgerichtig verweigerte die CDU-Fraktion in der Stadtverordnetenversammlung ihre Zustimmung zur Wetzlarer Erklärung zu Toleranz, Teilhabe, Menschenwürde und -rechten. Ohne den Zusatz, dass man sich ausdrücklich gegen Anarchismus und Gewalt gegen Polizei und Hilfsorganisationen und nicht zuletzt auch gegen das Fressen kleiner Kinder und die öffentliche Zurschaustellung von Geschlechtsteilen wende, werde die CDU die Charta nicht bejahen.

CDU um Irmer - Mahnwache gegen Feine Sahne Fischfilet

Nahezu zeitgleich veröffentlichte der Wetzlarer Bundestagsabgeordnete H.J. Irmer (ebenfalls CDU) in seinem lokalen Anzeigenblättchen Wetzlar Kurier einen Artikel des Vereins Pro Polizei, dem Irmer ganz zufällig auch vorsteht. Die Band solle sich „öffentlich von diesen linksradikalen und den inneren Frieden zersetzenden Texten [...] distanzieren und den Menschen, die aus Überzeugung Polizeibeamte geworden sind, den nötigen Respekt [...] zollen.“

Irmer, seines Zeichens Rechtsausleger und Scharfmacher, ist der wohl letzte Vertreter seiner Art, der den Weg raus aus der CDU noch immer nicht gefunden hat. Dabei steht er in der Tradition solch beeindruckender hessischer Stahlhelm-CDU-Größen wie Alfred Dregger (NSDAP), Alexander Gauland, Martin Hohmann (beide AfD) oder Erika Steinbach (zumindest AfD-nah). Immer wieder macht er mit antimuslimischen oder homophoben Äußerungen und Parolen von sich reden. Es verwundert also nicht, dass er Anstoß am Auftritt einer Band nimmt, die sich eindeutig gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit positioniert.

Gleich zwei Mahnwachen gegen Feine Sahne Fischfilet

Doch damit noch nicht genug. Zusätzlich machte ein weiterer Aufruf von Pro Polizei die Runde, sich an deren Mahnwache zu beteiligen und damit angesichts des anstehenden Konzerts auch mal Dank und Respekt an Polizisten und Sicherheitskräfte auszudrücken. Der Aufruf schließt mit den Worten „Einfach Kommen, Mitmachen, Aufstehen gegen Hetze [sic!]. Für die Würde des Menschen – diese ist unteilbar [sic!].“

Und zu guter Letzt kursiert nun noch ein Flyer zu einer weiteren Mahnwache, der über ein Wochenblatt an alle Wetzlarer Haushalte verteilt wurde. Der Stadtverband der CDU möchte sich auf dem Gelände der Rittal-Arena, also nur einen Steinwurf vom Konzert entfernt, gegen „Linksanarchisten“ positionieren. Interessanterweise ist davon aber scheinbar weder die Polizei noch der Hallenbetreiber, dem das Gelände gehört, unterrichtet. Personell dürften sich beide Versammlungen gleichen, nahezu der gesamte Vorstand der CDU ist auch aktiv bei Pro Polizei.

So bleibt also zu hoffen, dass im mittelhessischen Kleinod auch in den letzten Tagen vor dem Konzert nicht doch noch die Antifa mit einem Großaufgebot die ganze Stadt in Schutt und Asche legt und einen anarchistischen Polizeistaat ausruft. Und es bleibt zu hoffen, dass H.J. Irmer, die Wetzlarer CDU und Pro Polizei auch das nächste Mal so einen Aufriss machen, wenn nachweislich verfassungsfeindliche Gruppen wie Kategorie C oder Oidoxie auf Einladung der NPD in Wetzlar ein Konzert geben wollen. In der Vergangenheit war dem nicht so.

Gastbeitrag von Dominic Harapat, Politiker von DIE PARTEI

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