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Demo mit Blumen in Manila während einer Kundgebung am Internationalen Frauentag.

Kolumne

Blumen, nein Danke

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Berlin muss sich fragen: Gleicht ein Feiertag mit dem die Frauenbewegung gewürdigt wird, 364 Tage Diskriminierung aus?

Der Italiener an der Ecke hat schon vorige Woche eine Tafel vor die Tür seines Restaurants postiert, auf der zum „Bella-Donna-Dinner“ am Weltfrauentag mit Rote Beete-Gazpacho, zartem Rosenkohl und Schweinefiletspitzen geworben wird. Unvergessliches Candle-Light-Dinieren direkt an der Spree ist ebenfalls angesagt, um den globalen Kampftag für Frauenrechte versöhnlich ausklingen zu lassen.

Berlin macht als erstes Bundesland vor, was sich mit einem arbeitsfreien 8. März so alles anstellen lässt. Zumal die Premiere dieses nun offiziellen Feiertages ein langes Wochenende einläutet, wie geschaffen fürs Vergnügen. Da lässt sich auch die Website Berlin.de, „das offizielle Hauptstadtportal“, nicht lumpen. Neben Hinweisen auf diverse Demos, Fraueninfobörse und Ausstellungen bietet sie jede Menge Ausgehtipps „für einen unterhaltsamen und ereignisreichen Frauentag“.

Zugegeben, nicht wenige in der weiblichen Zielgruppe mögen das reizvoller finden, als eine rote Nelke oder eine halbwelke Rose in die Hand gedrückt zu bekommen. Sei es drum, die Vermarktung des Frauentages zu einer Wohlfühlveranstaltung für alle setzt schon eine gehörige Portion Ignoranz voraus.

Einen Tag lang die Frauenbewegung hochleben zu lassen, ist eben kein Ausgleich für Diskriminierung an 364 Tagen im Jahr und dazu eine Beleidigung der Intelligenz – nicht nur für Emanzen, die einst, von Clara Zetkins Zeiten an, einen Tag zu ihrem Tag machten, um nichts weniger als volle Gleichberechtigung zu verlangen.

Aber das mit regulären arbeitsfreien Tagen unterversorgte Berlin brauchte dringend einen zusätzlichen Feiertag. Im Vergleich zu den Bayern und Sachsen – den Spitzenreitern im bundesdeutschen Festtagskalender – fühlten sich Berliner allzu benachteiligt. Etwas Progressives sollte es nach Wunsch des rot-rot-grünen Senats sein. Nur ist ein Frauentag, der gefeiert wird wie eine Kombination aus Muttertag und Valentine, doch eher peinlich. Und so haben einige diesbezügliche Veranstaltungen in Berlin gute Chancen, unter den Top Ten „der dümmsten Aktionen zum Weltfrauentag“ zu landen.

Einer im Netz kursierenden Spottliste, auf der sich 2018 noch vor dem Twitter-Beitrag einer „GoodMenGroup“, am 8. März „jede Dame im Büro mit einer kleinen Aufmerksamkeit“ zu beehren, auch ein CSU-Poster wiederfand. Darauf abgelichtet: acht strahlende weibliche Bundestagsabgeordnete aus der ansonsten männlichen 46-köpfigen CSU-Fraktion. Der Untertitel „Frauenpower“ war nicht mal ironisch gemeint.

Dennoch bin ich optimistisch, was die Zukunft betrifft. So legt die sechsjährige S., die Jüngste aus meiner Patchwork-Familie, bereits feministisches Bewusstsein an den Tag. Schon meine Frage, wie es denn ihrem Hund gehe, empörte jüngst die durch Kinderladen und Pippi Langstrumpf sensibilisierte Göre. „Das ist kein Er, sondern eine Sie“, wies sie mich zurecht. Auch eifert S. nicht mehr bedingungslos Prinzessinnen nach, weil die „ihr ganzes Leben lang tun müssen, was der Vater sagt“.

Wobei selbst eine Prinzessin heutzutage gerne mal aus der vorgegebenen Rolle springt. Meghan Markle etwa, ja die mit dem Prinzgemahl Harry an ihrer Seite, will am Weltfrauentag mit anderen Feministinnen, darunter Sängerin Annie Lennox und die australische Ex-Premierministerin Julia Gillard im King’s College zu London über weibliche Emanzipation diskutieren. Ein Thema, bei dem es weltweit noch immer mehr zu tun als zu feiern gibt.

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