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Die Intensivstationen stehen bundesweit aufgrund der Pandemie vor dem Kollaps.
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Die Intensivstationen stehen bundesweit vor dem Kollaps.

Leitartikel

Das Corona-Desaster: Die Mehrheit muss endlich zu ihrem Recht kommen

  • VonKristina Dunz
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Deutschland erlebt mit dem zweiten Corona-Winter kein Déjà-vu. Deutschland erlebt ein noch gar nicht gekanntes Desaster. Der Leitartikel.

Aus dieser Corona-Krise werden alle ein persönliches Trauma mit in die Zukunft nehmen. Die einen, weil sie Angehörige verloren haben und ihnen nicht einmal ein letztes Geleit geben durften. Die anderen, weil ihr Leiden der Intensivbehandlung von Corona-Kranken untergeordnet und damit verlängert wurde. Die Alten, die nach langer Quarantäne noch mehr Angst vor Vereinsamung zum Ende ihres Lebens haben. Kinder und Jugendliche, die die vielen verpassten Chancen nicht mehr aufholen können.

Und dann ist da noch das Gefühl dieser maßlosen Ungerechtigkeit. Die Geimpften können es nicht fassen, dass Fremde, aber auch Familienmitglieder und Nachbarn den sensationell schnell entwickelten und bereits millionenfach verabreichten Impfstoff für gefährlicher als das Virus halten.

Eine ruhige Mehrheit verzweifelt an einer lauten Minderheit

Kristina Dunz

Und die Ungeimpften fühlen sich zu Unrecht an den Pranger gestellt, weil die Politik versprochen hatte, dass es keine Impfpflicht geben werde. Eine ruhige Mehrheit verzweifelt an einer lauten Minderheit, die wissenschaftliche Argumente, Infektionskurven und flehende Bitten für Propaganda hält.

Corona hat die Gesellschaft gespalten – auch deshalb, weil die Parteien und Bund und Länder es im Bundestagswahljahr nicht geschafft haben, trotz ihres Wissens um die Tücken einer Pandemie gemeinsam mutig und entschlossen voranzugehen. Das Resultat: Auch wenn uns vieles an den Murks vor einem Jahr mit Lockdown-light im November und einem richtigen Lockdown zu Weihnachten erinnert – Deutschland erlebt mit dem zweiten Corona-Winter gar kein Déjà-vu. Deutschland erlebt jetzt ein noch gar nicht gekanntes Desaster.

Sachsen muss sich nach Angaben der Landesärztekammer auf Triage vorbereiten. Ärztinnen und Ärzte werden wegen zu knapper Ressourcen wählen müssen, wem sie helfen und wen sie sterben lassen. Das richtet sich danach, wer die größeren Überlebenschancen hat. Und Sachsen wird nicht das einzige Bundesland bleiben.

Zugleich wird – auch in Sachsen – geklagt, dass Weihnachtsmärkte abgesagt werden. In Nordrhein-Westfalen wird noch einmal schnell ausgiebig Karneval gefeiert, von Abstand zueinander ist in vielen Geschäften keine Rede, in Bus und Bahn steigen Menschen ohne Maske ein, in manchen Restaurants ist das Personal nicht geimpft.

Wo bleibt das Verständnis? Die Solidarität? Die Unterstützung für Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU), der für seinen harten Kurs bedroht und beschimpft wird? Das Mitgefühl mit den Todgeweihten und den Medizinerinnen und Medizinern, die die schwerste Entscheidung ihres Lebens treffen müssen?

Zu Beginn der Pandemie hatten Virologen gewarnt, dass die Herdplatte heiß ist. Nun ist das vom Wohlstand, Sofortzahlungen und Überbrückungshilfen verwöhnte Deutschland in dem Stadium, dass es offensichtlich erst durch Schaden klug wird.

Es ist zynisch, wenn der scheidende Gesundheitsminister Spahn sagt, am Ende dieses Winters werden wahrscheinlich alle in Deutschland geimpft, genesen oder gestorben sein. Es ist vor allem deshalb zynisch, weil noch keine vier Wochen vergangen sind, seit er der Ansicht war, Deutschland könne die pandemische Lage auslaufen lassen, was am Donnerstag tatsächlich geschieht. In Österreich gilt dagegen nun ein landesweiter Lockdown und ab Februar eine Impfpflicht.

Am 9. Dezember kommen Bund und Länder wieder zusammen und wollen die gelockerte Corona-Politik ohne Möglichkeit zum Lockdown überprüfen. Gut möglich, dass sie das rückgängig machen und auch eine generelle Impfpflicht erlassen müssen.

Um die Krise zu überwinden, müssen zwei wichtige Herausforderungen bewältigt werden: Fehlentscheidungen korrigieren und die Mehrheit zu ihrem Recht kommen lassen. Das ist in einer Demokratie so. Es gibt eine Entscheidung und die gilt dann auch für die Minderheit.

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