Berliner Christdemokraten

Fast lustig, CDU

  • schließen

Was ist guter Humor? In Berlin war das mal Ruppigkeit mit Herz. Davon ist heute wenig übrig. Die CDU setzt allein auf Ruppigkeit, ohne Herz - und Verstand. Die Kolumne.

Gibt’s den Berliner Humor eigentlich noch? Sie wissen schon. Diese Schnauze mit Herz, diese schmunzelige Ruppigkeit. Diese Art von Busfahrer, die im Regen so lange wartet, bis man die Haltestelle erreicht hat und einem dann die Türen vor der Nase schließt und losfährt. Einfach zum Piepen!

Mir ist das schon länger nicht mehr passiert. Vielleicht wurde es aber auch modernisiert. In Bussen zum Flughafen Tegel läuft jetzt diese automatische Durchsage, dass man sich aus Sicherheitsgründen bitte gut festhalten solle. Allerdings nur auf Deutsch. Das ist so hintersinnig touristenfeindlich, dass ich mir dabei einen dieser besagten Busfahrer vorstelle, der wegen zahlreicher Beschwerden nassgeregneter Kunden von der BVG in die Abteilung zur Planung der automatisierten Banddurchsagen strafversetzt wurde.

Beim Humor zeigen sich große kulturelle Unterschiede. Worüber ein Spanier lacht, kann einer Belgierin vielleicht nur ein müdes Augenrollen abtrotzen. Finninnen finden andere Sachen lustig als Italiener und je mehr von ihnen nach Berlin kommen, desto vielfältiger wird unsere Humorlandschaft. Das mag lieb gewonnene Gewohnheiten verändern, aber den Berliner Humor kann man ja schlecht unter Denkmalschutz stellen. Witze unterliegen auch dem Zeitgeist. Früher haben die Leute in Berlin über Heinrich Zille, Helga Hahnemann oder Harald Juhnke gelacht, heute über die Mietpreise.

In den letzten Jahren sind viele Briten und US-Amerikaner hergezogen und haben die Kunst der Stand-up-Comedy mitgebracht, die in Deutschland noch ziemlich unterentwickelt ist. Jetzt gibt es zahlreiche Comedyclubs, auf deren Bühnen junge, englischsprachige Männer stehen und fünf Minuten lang alle die gleichen Gags über die Humorlosigkeit von Deutschen aufsagen.

Gut, Humor muss auch nicht zwangsläufig überraschen. Es gibt ja auch Memes und Running Gags, die durch Wiederholung und Variationen desselben Motivs vom Wiedererkennungseffekt profitieren. Witzschablonen helfen weniger kreativen Leute beim Lustigsein. Wenn man weiß, dass es gleich witzig wird, lacht man auch schneller. Der BER hat sich alleine deshalb schon gelohnt, weil selbst der unkomischste Mensch noch ein, zwei Witzchen über dieses Baudesaster reißen kann.

Trotzdem mag ich persönlich am liebsten Humor, der mich unvermittelt trifft. In diesem Sinne hat mich dieser Tage ausgerechnet die Berliner CDU-Fraktion überrascht, die eine Hommage an den links-alternativen Humor der 80er- und 90er-Jahre twitterte.

Kurz nachdem in Thüringen knapp ein Viertel der Wähler für eine Partei mit einem faschistischen Spitzenkandidaten gestimmt hat und jeden Tag neue Bedrohungslagen zum Rechtsterror bekannt werden, stellt sie ausgerechnet jetzt ihren „Aktionsplan gegen linke Gewalt“ vor. Dieser möchten sie mit Gefährderdateien und beschleunigter Strafverfolgung entgegentreten. In Zeiten von rechtsextremistischen Morden fordert sie Aussteigerprogramme für Linke.

Das ist in seiner ganzen Eberharddiepgenhaftigkeit ein Witz wie aus einem Gerhard-Seyfried-Comic, in dem hundert Polizisten vor einer Wohnungstür stehen, weil jemand „über dreikommanullfüneff [sic] Gramm Hanf aus unerlaubtem Anbau“ hat. Wäre es nicht so traurig, ich könnte herzlich darüber lachen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare