Was läuft alles schief bei der Bundeswehr?
+
Was läuft alles schief bei der Bundeswehr?

Bundeswehr

Falscher Korpsgeist

  • Andreas Schwarzkopf
    vonAndreas Schwarzkopf
    schließen

Die Bundeswehr hätte früher über den Gewaltskandal informieren müssen. So erhärtet sich der Verdacht, es gehe den Verantwortlichen nur um Diskretion. Ein Kommentar.

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) und ihre Generäle hätten im Fall des Gewalt-Skandals in einer Kaserne in Pfullendorf in die Offensive gehen sollen. Wenn sie Abgeordnete und die Öffentlichkeit informiert hätten, bevor Medien über die widerlichen Misshandlungen von Soldatinnen und Soldaten berichteten, hätten sie überzeugender nach innen und außen verdeutlichen können: Dieses Verhalten ist unangemessen und der Bundeswehr unwürdig. So entsteht der Eindruck, die Verantwortlichen wollten die Vorkommnisse lediglich diskret behandeln, statt sie öffentlich zu ächten.

Noch schlimmer ist, dass sie versuchen, die Geschehnisse als eine Entgleisung in einer einzigen Kaserne abzutun. Dabei listet der druckfrische Bericht des Wehrbeauftragten diverse Fälle krassen Fehlverhaltens auf. Außerdem beschweren sich Soldatinnen seit Jahren. Mehr als die Hälfte von ihnen sagen, dass sie sich anzügliche Witze anhören müssen, jeder vierten wurden pornografische Bilder gezeigt. Sexuellen Missbrauch erleben drei Prozent.

Diesen falschen Korpsgeist müssen die Ministerin und ihre Generäle endlich beseitigen und die Grundsätze der inneren Führung überall konsequent durchsetzen. Sie haben also deutlich mehr zu tun, als lediglich den aktuellen Fall aufzuklären und die Täter vom Dienst zu suspendieren.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare