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Nordkorea testet munter weiter Raketen.

Leitartikel

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Nächste Wendung im Atomstreit: Nordkorea erklärt die Verhandlungen für gescheitert. Die USA sehen es genau umgekehrt.

Donald Trump schien davon überzeugt, Nordkorea zum Verzicht auf Atomwaffen bewegen zu können. Die Denuklearisierung des Diktatorenregimes in Pjöngjang sollte das außenpolitische Glanzstück dieses US-Präsidenten werden. Trump ließ wissen, dass seinem Verhandlungsgeschick sogar der Friedensnobelpreis gebühre. Es ist durchaus möglich, dass künftige Handbücher der Diplomatie den Bemühungen des selbsternannten Deal-Machers ein langes Kapitel widmen – allerdings als Lehrbeispiel dafür, wie man es nicht macht.

Noch bevor sie Fahrt aufnehmen konnten, sind die wiederaufgenommenen Gespräche über die Stilllegung von Atomanlagen in Nordkorea zum Erliegen gekommen. Nach achteinhalb Stunden verließen die Unterhändler Washingtons und Pjöngjangs am Samstag den Stockholmer Tagungsort.

Die Nordkoreaner bekundeten ihre „Enttäuschung“ darüber, dass die Amerikaner „mit leeren Händen“ angereist seien – was das US-Außenministerium nicht auf sich sitzen lassen wollte. Man habe „kreative Ideen“ mitgebracht, die Gespräche seien „gut“ gewesen. Nach dem Willen der USA sollen die Verhandlungen in zwei Wochen fortgesetzt werden, aber die Nordkoreaner lassen keinen weiteren Gesprächsbedarf erkennen.

Scheitern nach dem Scheitern

Die Episode vom Wochenende markiert ein Scheitern nach dem Scheitern. Die Verhandlungen auf Fachebene wurden ja überhaupt erst angestoßen, als die Chefs bei ihren denkwürdigen Begegnungen nicht weiterkamen.

Trump dachte, den mühsamen, wenig glanzvollen Weg der Diplomatie abkürzen zu können. Alles oder nichts, hier und jetzt – das war seine Herangehensweise an einen vielschichtigen Konflikt, dessen Lösung sämtlichen US-Präsidenten seit Dwight D. Eisenhower nicht gelang.

Statt also seine Experten das Abschalten nordkoreanischer Atomanlagen Schritt für Schritt aushandeln zu lassen und die für Pjöngjang schmerzhaften Zugeständnisse mit einem Termin des nordkoreanischen Herrschers Kim Jong Un beim US-Präsidenten zu belohnen, startete Trump die Verhandlungen mit dem eigentlichen Finale. Seine beiden Gipfeltreffen mit Kim in Singapur und Vietnam brachten – außer spektakulären Bildern und großer Aufmerksamkeit – nichts.

Trotz der „wunderschönen Briefe“, die Trump nach eigenem Bekunden von Kim erhielt, ließ Letzterer nicht von seinem Raketenprogramm ab. Erst vor wenigen Tagen feuerte Nordkorea eine U-Boot-gestützte ballistische Rakete in Richtung Japan. Ein wenig subtiler Hinweis darauf, dass das Atomprogramm seines Landes Fortschritte macht.

Zynisch und naiv

Trump rühmt sich, als erster US-Präsident einen nordkoreanischen Führer persönlich getroffen und ebenfalls als erster US-Präsident nordkoreanischen Boden betreten zu haben. Einem atomwaffenfreien Nordkorea kam er keinen Schritt näher. Eher stärkte er den nordkoreanischen Diktator.

Trumps Eile und Eitelkeit hat Kim zu verdanken, dass sein Ansehen in der Welt und wohl auch daheim gestiegen ist. Wer vom US-Präsidenten bezirzt wird, gilt nicht mehr als unerwünschte Person, möge die Gefahr, der er sein Volk und die Menschheit aussetzt, noch so groß sein. Hier zeigt sich, wie zynisch Trumps Außenpolitik ist. Und wie naiv.

Trump ist weit auf Pjöngjang zugegangen, er hat die Verhandlungsstrategie seines früheren nationalen Sicherheitsberaters öffentlich kritisiert, schweigt aber zu den Provokationen Nordkoreas. Da ist es nicht verwunderlich, wenn Pjöngjang nun glaubt, sein Blatt noch weiter ausreizen zu können. Es weiß, wie sehr sich Trump erfreuliche Schlagzeilen von der koreanischen Halbinsel wünscht; wie dringend der US-Präsident einen außenpolitischen Erfolg im Wahljahr 2020 braucht.

Toleranz auf die Probe gestellt

Der innenpolitische Druck, dem Trump durch das drohende Amtsenthebungsverfahren ausgesetzt ist, kommt den Nordkoreanern zupass. Sie stellen die Toleranz der Amerikaner auf die Probe. Sie schauen, welche atomfähigen Anlagen die USA gerade noch zu akzeptieren bereit sind, um im Gegenzug die strengen Sanktionen zu lockern. Sollte Trump auch hier nachgeben, bleibt den USA gar kein Druckmittel mehr.

Ohne Detailkenntnis, Geschick, Weitsicht ist der Konflikt um Nordkoreas Atomprogramm nicht zu lösen. Trump hat nichts von alledem. Er wird daher gewiss nicht der letzte US-Präsident sein, der sich mit Pjöngjang abmüht.

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