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Weitblick und Ganzheitlichkeit sind auch die Werkzeuge gegen Klimaskeptiker wie US-Präsident Donald Trump.

Klimaschutz

Fakt statt Fake

Klimabildung bringt den Umweltschutz voran. Sie bietet Skeptikern oder Leugnern wie US-Präsident Trump die Stirn. Ein Gastbeitrag von WWF-Mitarbeiterin Bettina Münch-Epple.

Für das Klima war 2017 ein heißes Jahr – sogar im wörtlichen Sinne. Die Klimakrise sorgte vielerorts wieder für Rekordtemperaturen, ihre Folgen in Form von Dürren und Überschwemmungen hielten ganze Regionen in Atem. Trotzdem entschied US-Präsident Donald Trump, Washington werde sich nicht am internationalen Kampf gegen die Krise beteiligen.

Was also tun? Zum einen gilt: Auf dem internationalen Politikparkett werden die Pariser Klimaziele weiterhin ernsthaft verfolgt. Das wird sich auch zeigen, wenn sich in wenigen Tagen zur Klimakonferenz COP23 die Welt in Bonn trifft. Allein reicht das aber nicht. Politische Beschlüsse brauchen Menschen, die zukunftsweisende Entscheidungen in ihrer Komplexität verstehen und mittragen.

Was brauchen sie dafür? Wissenschaftliche Grundlagen, Handlungsoptionen und die Möglichkeit, sich mit anderen Akteuren zu vernetzen, um die Zukunft gemeinsam zu gestalten. Genau hier setzt Klimabildung an. Eine gute Klimabildung vermittelt in einem ersten Schritt Wissen über die Klimakrise aus verschiedenen Perspektiven – der naturwissenschaftlichen, sozialen, politischen und ökonomischen. Außerdem wird vermittelt, wie Probleme gelöst werden können.

Der Vorteil: Die Klimakrise ist wissenschaftlich gut dokumentiert. Aber sie ist komplex. Die Herausforderung besteht darin, die Wissenschaft verständlich zu machen, den Fachjargon also zu übersetzen, wie es zwei Autorinnen in einem Gastbeitrag an dieser Stelle in dieser Zeitung schon für die Klimabildung an Schulen forderten. Zusätzlich müssen die Menschen an das Thema anknüpfen können. Klimaschutz muss verbunden werden können mit eigener Erfahrung, eigener Lebenswelt.

Das ist nicht schwierig. Der Klimawandel ist bei uns angelangt. In Deutschland häufen sich in einigen Regionen Extremwetterereignisse wie Stürme, Starkregen oder Hitzeperioden. Sie sind die ersten Folgen der Erderwärmung.

Doch es reicht noch nicht, das Globale aufs Regionale und Lokale herunterzubrechen und so fassbar zu machen. Das Wissen um die Ursachen und die Folgen der Klimakrise braucht einen zweiten Teil: die Lösungen – auf der individuellen, aber auch auf der systemisch-politischen Ebene. Auf keinen Fall darf Klimabildung dazu führen, dass sich Menschen mutlos fühlen oder fatalistisch werden.

Doch auch hier bietet die Klimakrise für die Wissensvermittler einen Vorteil: Lösungen sind bekannt, wie das Ende der Kohleverstromung, eine der Ursachen für die Krise. Wir müssen sie nur umsetzen. Und mit diesem nun vervollständigten Wissen – nicht nur um die Folgen der Erderhitzung sondern auch die Antworten auf sie – entsteht Motivation, aktiv zu werden.

Diese Motivation greifen wir mit dem Fortbildungskurs „Klimafit“ auf, der vom WWF und seinen Partnern, dem Helmholtz-Verbund Regionale Klimaänderungen, Fesa und Ifpro angeboten wird (www.wwf.de/klimafit). Der VHS-Kurs, gefördert von der Robert Bosch Stiftung und der Klaus Tschira Stiftung, läuft in diesem Herbst zunächst in Südbaden an. Dort sollen sich die Teilnehmer nicht nur Wissen aneignen, sondern auch vernetzen, um ihre Region klimafit zu machen. Geplant ist, den Kurs schrittweise an Volkshochschulen (VHS) in weiteren Regionen Deutschlands zu etablieren.

Zur Klimabildung beim WWF gehört auch eine kostenfreie Online-Vorlesung, „Klimawandel und seine Folgen“, entwickelt mit dem Deutschen Klima-Konsortium und gefördert von der Robert Bosch Stiftung. In einer Welt, in der die Krisen global sind, müssen auch Lösungsansätze nicht nur regional, sondern auch frei und überall verfügbar sein. Die Vorlesung mit Vorträgen führender Klimawissenschaftler und interaktiver Formate gibt es von Herbst unter dem Titel „Climate Change, Risks and Challenges“ auch auf Englisch, gefördert vom Auswärtigen Amt.

Beide Bildungsoffensiven betrachten die Klimakrise nie eindimensional, sondern immer interdisziplinär. Nur so erhalten wir das ganze Bild und können beispielsweise Migrationsbewegungen auf Veränderungen im Klimasystem genauso zurückführen wie die Erwärmung der Ozeane oder eben Starkregenereignisse in Deutschland.

Nur, indem wir die verschiedenen Blickwinkel integrieren, bekommen wir ein ganzheitliches und damit vollständiges Bild. Weitblick und Ganzheitlichkeit sind auch die Werkzeuge gegen Klimaskeptiker wie US-Präsident Donald Trump, die Einzelaspekte herauspicken und Zusammenhänge ausblenden. Um ihnen keine Chance zu geben – unserer aller Zukunft aber schon – ist eine umfassende Klimabildung unverzichtbar.

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