1. Startseite
  2. Meinung

EZB-Zinsentscheid: Signal des festen Willens

Erstellt:

Von: Stephan Kaufmann

Kommentare

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat den großen Zinsschritt getan, und es liegt der Gedanke nahe, dass es ihr dabei im Wesentlichen um sich selbst ging – um den Erhalt oder die Wiederherstellung ihrer Autorität.

Wie alle anderen großen Zentralbanken hatte die EZB den drastischen Anstieg der Inflationsrate nicht vorhergesehen und ihn, als er da war, als vorübergehend bezeichnet. Anders als ihre angelsächsischen Kollegen aber reagierten die Euro-Zentralbanker lange nicht auf die hohe Inflation, was ihnen Kritik bescherte.

Nun betreibt die EZB laut eigenen Aussagen „frontloading“, nimmt also mehrere Zinsschritte auf einmal, und schließt an die US-amerikanische Zentralbank an.

Angesichts einer Inflationsrate, die im Euroraum im August bei 9,1 Prozent lag, musste die EZB etwas tun – auch wenn von diesen neun Prozent fünf Prozentpunkte dem Anstieg der Energie- und Lebensmittelpreise geschuldet sind, auf die die EZB keinen Einfluss hat.

Um eine Abkühlung der Konjunktur dürfte es ihr bei der Zinserhöhung kaum gehen, schließlich steht ohnehin eine Rezession bevor. Handlungsleitend war wohl eher der Versuch der Zentralbank, ihren festen Willen zu demonstrieren, die Inflation zu bekämpfen. Dass die EZB dafür eine Vertiefung der Rezession sehenden Auges in Kauf nimmt, soll Eindruck auf die Wirtschaftssubjekte machen und ihre „Inflationserwartungen“ verankern.

Man kann nun nur hoffen, dass erstens diese Rechnung irgendwie aufgeht. Und zweitens, dass Europa im Winter genug Gas und Strom hat. Denn das ist viel entscheidender als jeder Zinsschritt.

Auch interessant

Kommentare