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Die neue EU-Verordnung macht eine Ausnahme für „Spezialdienste“.
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Die neue EU-Verordnung macht eine Ausnahme für „Spezialdienste“.

Netzneutralität

Exklusive Überholspuren im Netz

  • Frank-Thomas Wenzel
    VonFrank-Thomas Wenzel
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Kaum hat das EU-Parlament die Regeln zur Netzneutralität verabschiedet, will die Telekom für hohe Netz-Bandbreiten extra zur Kasse bitten. Was bedeutet das für Start-up-Unternehmen?

War’s das mit dem freien Internet? Das EU-Parlament hat nach ewigen Debatten neue Regeln zur sogenannten Netzneutralität beschlossen. Vereinfacht formuliert wird damit festgelegt, dass Betreiber von Telekommunikationsnetzen im Prinzip verpflichtet sind, alle Anbieter von Diensten gleich zu behandeln. Die neue EU-Verordnung macht aber eine Ausnahme für „Spezialdienste“. Bei diesen soll es möglich sein, dass Daten besonders schnell und bevorzugt übermittelt werden. Tim Höttges, Chef der Deutschen Telekom, hat prompt angekündigt, ins Geschäft mit solchen Diensten einzusteigen. Netzaktivisten warnen vor einem Zwei-Klassen-Internet.

Müssen wir jetzt ganz Schlimmes befürchten? Nein. Im Wesentlichen wird mit der Verordnung festgeschrieben, was lässt Alltag ist. Sie regelt endlich Dinge, die bislang eher auf informeller Ebene spielten. Die Netzbetreiber werden verpflichtet, Datenpakete aus legalen und allgemein zugänglichen Quellen mit allen ihnen zur Verfügung stehenden technischen Möglichkeiten so schnell wie möglich weiterzuleiten – ohne Anbieter von Internetinhalten zu diskriminieren. Das wird in der Praxis angesichts wachsenden Datenhungers bedeuten, dass das Leistungsniveau sogar gesteigert wird. Denn in der Telekombranche kann langfristig nur überleben, der verlässliche Übertragungsgeschwindigkeiten bietet, damit Kunden alle möglichen öffentlichen Internetseiten abrufen können, auf denen künftig immer häufiger multimediale Angebote mit bewegten Bildern offeriert werden. Konzerne wie Google mit seiner Tochter Youtube werden weiter von dieser Netzneutralität profitieren. Sie können sich sicher sein, dass Videos in guter Qualität für alle zugänglich bleiben, was den Verkauf von Digital-Anzeigen fördert.

Junge Firmen profitieren aus Kooperationen

Wozu dann noch Spezialdienste? Es muss allein schon aus technischen Gründen Priorisierungen beim Transfer von Bits und Bytes geben. Das Telefonieren mit der Internettechnik, wie Skype sie beispielsweise anbietet, bringt nur dann was, wenn die Sprache unterbrechungsfrei übermittelt, also bevorzugt transportiert wird. Es gibt eine ganze Reihe weiterer Dienste, bei denen die schnelle Übermittlung unbedingt notwendig ist. Etwa der Datentransfer vom Rettungswagen ins Krankenhaus. Viele neue Anwendungen, die verlässlich hohe Bandbreiten brauchen, werden entstehen: Telemedizin etwa, ferngesteuerte Operationen oder eine automatisierte Verkehrssteuerung mit selbstfahrenden Autos. Aber auch bei Online-Spielen oder beim Streaming von Filmen und Musik in hoher Qualität werden gesicherte Übertragungsgeschwindigkeiten immer wichtiger. Hier hoffen Netzbetreiber auf riesige neue Einnahmequellen: Sie wollen von den Anbietern eine Art Internet-Maut für die Expressdienste kassieren.

Netzaktivisten befürchten nun, dass nur die Großen zahlen können und kleine Start-up-Firmen gar keine Chance mehr haben, sich durchzusetzen. Doch bei dieser Argumentation wird vergessen, dass ohnehin schon mit ungleichen Waffen gekämpft wird. Giganten wie Google oder der Internet-TV-Anbieter Netflix verdichten ihre Infrastruktur aus Rechenzentren immer stärker, damit der Übertragungsweg zum Kunden möglichst kurz und der Datentransport möglichst schnell ist. Gegen diese Server-Power haben Start-ups keine Chance. Deshalb können gerade junge Firmen aus Kooperationen profitieren. Der Netzbetreiber bietet dem jungen Filmverleih gesicherte hohe Bandbreiten. Der Diensteanbieter bezahlt mit einer Umsatzbeteiligung.

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