Indien

Exekutieren – und was nun?

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Indien richtet vier Vergewaltiger hin und ignoriert, dass diese Gewaltat eine vorherige weder ungeschehen machen noch sühnen kann. Ein Kommentar.

Vier Menschen sind tot. Hingerichtet von ihrem Staat. Das kann niemand gutheißen. Die Todesstrafe ist ein grausames unwürdiges Überbleibsel aus Zeiten, in denen die Mächtigen keinen Hehl daraus machten, wie gering sie das Leben des Einzelnen schätzten – und alle anderen, die nicht dem Scharfrichter überantwortet waren, der Hinrichtung erleichtert als Volksbelustigung beiwohnten. Viel wurde über die Todesstrafe geforscht, noch mehr diskutiert – am Ende bleibt, dass eine Gewalttat eine vorherige weder ungeschehen machen kann noch wirklich sühnen.

In Indien wurden vier Männer in der Tihar-Haftanstalt in Neu Delhi gehängt, die vor sieben Jahren eine junge Frau mehrfach vergewaltigten und schwerstens misshandelten, die ihr Opfer wie Müll auf die Straße warfen und es dann mit einem Bus überfuhren. Kaum wer wird angesichts dieser spezifischen Tat, dieser irrsinnigen frauenfeindlichen Gewalt die Exekutionen nicht insgeheim rechtfertigen. Nur: Die etwaige pädagogische Absicht der Hinrichtung, ihre abschreckende Wirkung wird nirgends auf der Welt fruchten.

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