Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Der politische Umgang mit dem Coronavirus wirke diffus, so FR-Autor Markus Decker.
+
Der politische Umgang mit dem Coronavirus wirke diffus, so FR-Autor Markus Decker.

Leitartikel

Es ist nicht vorbei

  • Markus Decker
    VonMarkus Decker
    schließen

Die Zahl der Corona-Infizierten steigt. Bei den Einschränkungen wird es darum gehen abzuwägen. Das macht die Sache nicht einfacher. Der Leitartikel.

Der jüngsten Stellungnahme des Deutschen Ethikrates haftet etwas Absurdes an. Das Gremium lehnt einen Ausweis ab, der seinem Träger die Immunität gegen das Covid-19-Virus attestieren würde. Die Begründung ist einleuchtend. Schließlich ist eine derartige Immunität im Augenblick gar nicht hundertprozentig nachweisbar. Für den Fall, dass sie nachweisbar wäre, hat sich das Gremium nicht zu einem Votum durchringen können. Die einen sagen so. Die anderen sagen so.

Dabei hatte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) um ein Votum gebeten – gewiss in der Erwartung, dass es ihm und dem Bundestag tatsächlich eine Orientierung geben würde. Diese Orientierung bleibt jetzt aus. Nun sind Wissenschaftler keine Abgeordneten. Sie folgen ihren Erkenntnissen und nicht übergeordneten Opportunitäten. Wissenschaftler machen in dem Sinne keine Kompromisse. Und das ist auch gut so. Freilich dürfte sich nicht allein Jens Spahn seit Dienstag fragen, ob die Anrufung des Ethikrates ihn wirklich weiter gebracht hat.

Andererseits ist die Sache mit dem Immunitätsausweis lediglich eine Randnotiz in einem Herbst, der nicht bloß klimatisch ein heißer werden könnte. Zwar steht ein halbes Jahr nach Beginn der Corona-Pandemie manches auf der Habenseite. Wir geben einander nicht mehr die Hände. Wir tragen Maske in der S-Bahn. Nein, nicht alle, aber sehr viele. Das Virus hat unseren Alltag längst mehr verändert, als uns bewusst geworden ist. Daran ändern auch ein paar Tausend Corona-Leugner nichts, die so tun, als wären sie allein auf der Welt.

Die Medizin hat ebenfalls Fortschritte erzielt. Ärztinnen und Pfleger wissen besser mit Covid-19-Infizierten umzugehen und schwere Verläufe entweder zu verhindern oder mindestens abzumildern. Insofern stimmt auch das Bild von der Welle nicht mehr. Wir sind einer zweiten Welle nicht mehr so hilflos ausgeliefert wie der ersten.

Das ist psychologisch schon mal von Vorteil. Der größte Fortschritt scheint nach heutigem Stand die Entwicklung von Schnelltests zu sein, die offenbar noch dazu äußerst verlässlich sind. Wenn der Nachweis eines Virus binnen 15 Minuten gelingen kann, dann wäre etwa die menschlich belastende Quarantäne von Alten- und Pflegeheimen wohl Geschichte.

Und doch wird die Lage abermals kritisch. So steigt die Zahl der Neuinfektionen. Überdies sind sie nicht mehr auf einzelne Hotspots begrenzt, sondern flächendeckend, ohne dass sich die Verursacher so rasch lokalisieren ließen, wie dies noch im Sommer im Reich des Fleischfabrikanten Clemens Tönnies der Fall war. Das Virus breitet sich in alle Richtungen aus. Das macht die Nachverfolgung auf lokaler Ebene schwierig und überfordert potenziell die Gesundheitsämter.

Zweierlei kommt verschärfend hinzu. Die Erwartung, das Virus könne trotz medizinischen Fortschritts generell weniger tödlich geworden sein, ist verfrüht. Die Todeszahlen sind aktuell vornehmlich deshalb geringer, weil die Infizierten – nicht selten „Partymacher“ aus Urlaubsgebieten – jünger sind. Das dürfte aber nicht so bleiben, wenn die Jüngeren wieder verstärkt Kontakt mit Älteren haben.

In Spanien geht die Zahl der Todesfälle wieder deutlich nach oben. Zudem steht der Herbst tatsächlich vor der Tür. Die schönen Zeiten, in denen Menschen abends beim Bier noch draußen sitzen können, neigen sich, folgt man den Meteorologen, dem Ende zu. Das ist auch für die Gastronomen eine schlechte Nachricht. Bei all dem ist nicht sicher, dass es einen Impfstoff geben wird – selbst wenn die Forschung so intensiv nach einem Impfstoff sucht wie noch nie. Kann sein, dass er bald da ist. Kann sein, dass er nie kommt.

Der politische Umgang mit dieser Situation wirkt angesichts dessen erneut diffus. Im Ganzen geht der Trend zu neuen Restriktionen, deutschland- und europaweit. Nur sind diese nicht einheitlich, sondern von Land zu Land unterschiedlich. Das Durchwurschteln hält an. Die Hauptverantwortung liegt ohnehin richtigerweise beim Bürger, also: bei uns. Wir haben das Virus leidlich kennen gelernt. Wir sollten entsprechend vorsichtig danach handeln.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare