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Erneuerbare Energie aus Namibia

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Von: Armand Zorn

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Wirtschaftsminister Robert Habeck im Gespräch mit  Auszubildenden  in Südafrika über Berugsbilder im Bereich der erneuerbaren Energien.
Wirtschaftsminister Robert Habeck im Gespräch mit Auszubildenden in Südafrika über Berufsbilder im Bereich der erneuerbaren Energien. © Bernd von Jutrczenka/dpa

Mit afrikanischen Staaten muss eine wirtschaftliche Partnerschaft auf Augenhöhe entwickelt werden. Der Gastbeitrag.

Angesichts der aktuellen nationalen und globalen Herausforderungen sowie der imperialistischen Wirtschaftsweise der vergangenen Jahrzehnte ist eine neue Partnerschaft auf Augenhöhe mit Afrika dringend notwendig. Trotz einer schwierigen wirtschaftlichen Lage vieler afrikanischer Länder führt der Wettbewerb zwischen EU, China, Russland und der Türkei um Partnerschaften in Afrika dazu, dass viele afrikanische Länder nicht mehr bereit sind, sich Spielregeln und Rahmenbedingungen diktieren zu lassen.

Ich konnte in der vergangenen Woche Bundesminister Robert Habeck auf seiner Reise nach Namibia und Südafrika begleiten. Es ging um wirtschaftliche Beziehungen, Klimaschutz, aber auch um die deutsche Kolonialgeschichte. Die Reise zeigte, dass es für eine neue wirtschaftliche Partnerschaft dreier Dinge bedarf: Erstens, eine wirtschaftliche Partnerschaft muss gemeinsam auf Augenhöhe entwickelt werden und von beiderseitigem Vorteil sein. Zweitens, wir müssen unser Bild von Afrika ändern und uns differenzierter mit dem Kontinent auseinandersetzen. Drittens, es werden geeignete Finanzierungsinstrumente benötigt, um soziale, wirtschaftliche und ökologisch nachhaltige Projekte zu lancieren.

Das grüne Wasserstoffprojekt in Namibia könnte dabei zu einer Art Blaupause für die wirtschaftliche Partnerschaft mit afrikanischen Staaten werden: In der namibischen Wüste soll mit Hilfe von Solar- und Windenergie grüner Wasserstoff und Ammoniak hergestellt werden. 600 Windturbinen und zwei Solarfelder sollen ab 2027 etwa sieben Gigawatt Strom erzeugen. Es könnten dann bis zu 300 000 Tonnen Ammoniak nach Deutschland exportiert werden.

Die Initiative dafür ging von der namibischen Regierung aus. Viel Sonne, freie Flächen und kräftiger Wind – Namibia möchte mit diesen Voraussetzungen zu einem Weltmarktführer in der Produktion von grünem Wasserstoff werden. Die nationale Wasserstoffstrategie soll Namibia dazu verhelfen, einen Beitrag zur Lösung der Klimakrise zu leisten, und gleichzeitig Wohlstand für das Land generieren.

Das erste Wasserstoffprojekt wäre von Vorteil für Deutschland, Namibia und die Umwelt – also eine Win-win-Situation. Deutschland bekommt so grünes Ammoniak, das als Speicher, Energieträger oder für chemische Prozesse benötigt wird. Dies hilft uns erheblich bei der Energiewende und ist für uns auch eine Möglichkeit der Diversifizierung der Liefer- und Wertschöpfungsketten. In Namibia entstehen eine Wasserstoffindustrie und Arbeitsplätze, da 93 Prozent der Jobs bei Bau und Betrieb mit Einheimischen besetzt werden sollen. Deutschland unterstützt dabei bei der Ausbildung von Fachkräften. Das Projekt wird für eine sichere und günstige Energieversorgung in Namibia sorgen. Derzeit importiert Namibia Strom aus Südafrika, kann aber zukünftig Strom aus erneuerbaren Energien an benachbarte Länder exportieren.

Das neue Selbstverständnis und Selbstbewusstsein vieler afrikanischer Länder beinhaltet auch kritische Stimmen, die dort ebenfalls zu Wort kommen. Aufgrund der Kritik namibischer Umweltorganisationen soll nun eine Umweltverträglichkeitsstudie Klarheit über den Standort schaffen. Des Weiteren fordern Vertreter:innen der Namas, jenes Volkes, welches Opfer des Völkermords wurde, eine wirtschaftliche Beteiligung.

Auch andere afrikanische Staaten wie Senegal oder Mauretanien eignen sich für die Produktion von grünem Wasserstoff. Darüber hinaus bietet Afrika zahlreiche Gelegenheiten für wirtschaftliche Partnerschaften jenseits des Energiesektors. Viele afrikanische Staaten verfügen über eine junge und motivierte Bevölkerung und haben in den letzten Jahren eine beachtliche Entwicklung in Sachen Rechtsstaatlichkeit, Infrastruktur und Bildungswesen hingelegt. Allerdings herrscht in Deutschland weitestgehend immer noch das Bild eines Krisenkontinents. Um belastbare, nachhaltige und erfolgreiche Wirtschaftsbeziehungen zu entwickeln, müssen sich Politik, Wirtschaft und Öffentlichkeit intensiver und differenzierter mit dem Kontinent auseinandersetzen.

Wichtig ist auch die Frage der Finanzierung. Noch ist die Finanzierung der benötigten neun Milliarden Euro für das grüne Wasserstoffprojekt nicht vollständig gesichert. Auch wenn dies nicht mit staatlichen Mitteln geschehen soll, kann die Bundesregierung dennoch wichtige Rahmenbedingungen dafür gestalten. So werden Mittel für Pilotprojekte oder für die Ausbildung von Fachkräften zur Verfügung gestellt. Und mit Exportkreditgarantien und Risikoabsicherungen können privates Kapital angezogen und vor allem deutsche Direktinvestitionen in Afrika flankiert und abgesichert werden.

Armand Zorn (SPD) ist direkt gewählter Bundestagsageordneter für den Wahlkreis Frankfurt am Main I.

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