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Erika Steinbach.
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Erika Steinbach.

Integration

Erlösende Entdeutschung

  • Michael Herl
    VonMichael Herl
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Wir haben ja schon einige langwierige Integrationsprozesse hinter uns. Jetzt kann nur noch Erika Steinbach helfen.

Eigentlich ist es doch extrem verwunderlich, warum man erst jetzt auf die Lösung aller Probleme mit den vielen Flüchtlingen gekommen ist. Dabei lag sie doch so nah. Doch wir Deutsche hatten ja schon immer Probleme mit der Anerkennung fremder Menschen. Aber wer sind wir? Und wie deutsch sind wir, wo doch die wenigsten von uns in direkter Linie von einem Germanenpaar abstammen? Die meisten sind seit Jahrtausenden durchrasst, um diesen Nazibegriff mal in einem erfreulichen Kontext zu benutzen. Durchrassung, das ist nämlich etwas Segensreiches.

Denn gäbe es sie nicht, hätten wir alle tumbe, fleischsalatfarbene Hackfressen, dass es eine Fürchterlichkeit wäre. Außerdem würden wir immer noch sonntags Punkt zwölf Uhr Schweinebraten mit pappiger Mehlsoße essen, dazu Kartoffeln und Erbsen und Möhrchen aus der Dose. Zum Glück ist das vorbei. Doch, wie gesagt, es war ein mühsamer, steiniger Weg hin zur erlösenden Entdeutschung.

Denn immer wieder kam es zu langwierigen Integrationsprozessen. Man erinnere sich nur, was für ein Gezeter das war, bis wir endlich die Merowinger in unserer Mitte wussten. Oder – es ist noch gar nicht so lange her – die Sache mit den Ostdeutschen. Wer kann sich nicht mehr daran erinnern, als Flüchtlinge aus der ehemaligen Sowjetischen Besatzungszone sich zu Recht über die langen Schlangen in Supermärkten beschwerten, ihnen aber seitens unserer türkischstämmigen Mitbürger ein „Wir dich nix gerufen!“ entgegenschallte? Ein freundlicher Empfang sieht anders aus. Doch es sollte nicht lange dauern, und es wuchs zusammen, was ... Ach, Sie wissen schon.

Nun hat sich eine neue Problematik ergeben. Abermals drängen Millionen in unser Land, doch lange sah es so aus, als wären wir nicht darauf vorbereitet. Selbst die Kanzlerin hielt sich – ganz entgegen ihrer sonstigen Art – monatelang bedeckt und unternahm nichts. Es wirkte, als sei sie hilflos und wisse keinen Ausweg. Weit gefehlt. Dieser Tage nämlich wurden mir geheime Informationen zugespielt, die beweisen, dass Frau Merkel alles andere als untätig war. Sie heckte nämlich einen gleichermaßen simplen wie genialen Plan aus. Die Kanzlerin entsann sich, dass wir ja bereits seit 1957 eine Institution haben, die wie geschaffen ist für die Lösung des Flüchtlingsproblems: den Bund der Vertriebenen (BdV). Dessen Charta nämlich enthält „ein klares Bekenntnis zur Schaffung eines einigen Europas, zur Verständigung zwischen den Staaten, den Völkern und Volksgruppen“.

Na also, passt doch. Und dass dies nicht nur leere Worte sind, hat der BdV bereits bewiesen, als er sich tatkräftig und erfolgreich für die Integration der Flüchtlinge aus Polen einsetzte. So wird es nun wieder kommen. Da trifft es sich gut, dass die ehemalige, langjährige Präsidentin des BdV, Erika Steinbach, heute Sprecherin für Menschenrechte und Humanitäre Hilfe der CDU/CSU-Bundestagsfraktion ist. Was sich erst mal anhört wie die Veganerbeauftragte der Metzgerinnung, entpuppt sich nun als wunderbarer Zufall. Steinbach kann zupacken. Wie man hört, ist sie bereits unterwegs, um sich demonstrierenden Nazis und wirren Bürgern entschlossen in den Weg zu stellen und so Flüchtlingen einen herzlichen Empfang zu bereiten. Erika Steinbach, wir danken dir!

Michael Herl ist Autor und Theatermacher.

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