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Der Anschlag auf den Weihnachtsmarkt auf dem Breitscheidplatz in Berlin ist die moderne Form des Terrors.

Geschichte

Erfinder des Terrors

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Die Ursachen von Gewalt liegen oft in westlichen Staaten selbst.

Es ist eine Habilitationsschrift: 751 Seiten lang und mehr, als man in seiner Freizeit lesen kann. Carola Dietze lehrt an der Technischen Universität in Braunschweig. Ihr Buch ist eine ehrfurchtgebietend gründliche Abhandlung über fünf Terroristen des 19. Jahrhunderts: Felice Orsini, der 1858 in Paris ein Attentat auf Napoleon III. verübte; John Brown, der 1859 das Arsenal der US-Armee in Harpers Ferry, Virginia, überfiel; Oskar Wilhelm Becker scheiterte 1861 mit seinem Attentat auf König Wilhelm I; John Wilkes Booth erschoss 1865 Abraham Lincoln und Dmitrij Vladimirovic Karakozov, der 1866 einen Anschlag auf Zar Alexander II. versuchte.

In der Einleitung und im Schlusswort aber macht Carola Dietze diese Taten plausibel als einen schnellen Lernprozess, in dem der moderne Terrorismus entstand. Es gibt Vorläufer wie etwa Sands Ermordung Kotzebues im Jahr 1819. Aber erst mit dem von Dietze beschriebenen Quintett setzt jene sich aufeinander beziehende, auf den Erfahrungen der Vorgänger aufbauende Tradition ein, die bis zum „Islamischen Staat“ reicht.

Der Terrorismus ist demnach eine Methode, mit der von Anfang an um Freiheit und Nation gekämpft wird. Wer sie will, bedient sich des Terrorismus wie auch der, der sie abschaffen will. Terrorismus ist von Anfang an international und er zielt auf eine politisch interessierte Öffentlichkeit. „Terrorismus als spezifische Form individueller, politischer Gewalt entstand genau dort, wo die Versprechen der Amerikanischen und der Französischen Revolution und eine revolutionäre Tradition besonders präsent, diese Versprechen jedoch nur teilweise eingelöst worden waren und die dadurch entstehenden Konflikte ... weder auf dem Weg etablierter politischer Institutionen noch auf dem Weg kollektiver Gewalt gelöst werden konnten.“

Der Terrorismus ist ein Produkt der durch die Aufklärung geschaffenen Moderne. Die Industrialisierung Europas, der Kampf um Partizipation und der Kampf dagegen brachte immer wieder den Terrorismus hervor. Ebenso in den USA und in Russland. Die Globalisierung setzt in immer mehr Regionen die Fragen nach nationaler und sozialer Partizipation auf die Tagesordnung. Der Abstand zwischen Idealen und der Realität wird immer deutlicher. Damit entstehen Räume für den terroristischen Gewalttraum. Claudia Dietzes Buch hilft uns, das besser zu verstehen.

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