Alexis Tsipras (r.) mit Recep Tayyip Erdogan am Donnerstag in Athen.
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Alexis Tsipras (r.) mit Recep Tayyip Erdogan am Donnerstag in Athen.

Griechenland-Besuch

Erdogans Geste

  • Frank Nordhausen
    vonFrank Nordhausen
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Der türkische Staatspräsident poltert beim historischen Besuch in Athen gegen die Grenzziehung und zerstört die ursprünglich freundschaftliche Botschaft.

Auch wenn Recep Tayyip Erdogan als türkischer Ministerpräsident schon zwei Mal Staatsgast in Griechenland war und Treffen der einst verfeindeten Nachbarn heute normal sind, gilt seine Reise nach Athen zu Recht als historisch. Es ist der erste Besuch eines türkischen Staatspräsidenten seit 1952. Indem Erdogan der Einladung seines Amtskollegen Prokopis Pavlopoulos folgt, vollzieht er eine überfällige symbolische Geste. Die Mittelmeeranrainer sind trotz anhaltender Spannungen in der Ägäis Partner in der Nato und beim EU-Flüchtlingsabkommen. Beide können vom Ausbau des beiderseitigen Handels und der Infrastruktur nur profitieren.

Erdogan will die rare Chance nutzen, in einer Zeit außenpolitischer Isolierung einen Anker der Freundschaft auszuwerfen. Griechenlands Regierungschef Alexis Tsipras ist bereit, die festgefahrenen EU-Beitrittsgespräche mit der Türkei wieder flott machen zu helfen. Dass der türkische Staatschef dann aber vor seinem Abflug den Vertrag von Lausanne von 1923 über den Grenzverlauf erneut in Frage stellt, kann nur erklärt werden mit seinem Ärger über die Einigung Athens mit Israel, Zypern und Italien über eine Gaspipeline, die auch über die Türkei hätte geleitet werden können. Damit tut sich Erdogan keinen Gefallen.

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