Der türkische Staatspräsident Erdogan benötigt dringend ein Thema für seinen lahmenden Wahlkampf zum Präsidialsystem.
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Der türkische Staatspräsident Erdogan benötigt dringend ein Thema für seinen lahmenden Wahlkampf zum Präsidialsystem.

Türkei

In Erdogans Falle getappt

  • Frank Nordhausen
    vonFrank Nordhausen
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Die Krise um die Wahlkampfauftritte türkischer Politiker ist ein von Staatspräsident Erdogan kalkuliertes Szenario. Er weiß, dass seine Landsleute nichts mehr erregt als eine nationale Schmach. Ein Kommentar.

Die Krise um die Wahlkampfauftritte türkischer Politiker in den Niederlanden wirkt wie ein Stück aus dem Tollhaus, ist aber ein kalkuliertes Szenario aus Ankara, auf das die Regierung in Den Haag hereingefallen ist. Das Drehbuch war für Deutschland geschrieben, doch haben gelassene Reaktionen hierzulande das Schlimmste verhindert.

Die Falle des türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan war so offensichtlich, dass nur Ignoranten hineintappen konnten. Erdogan benötigt dringend ein Thema für seinen lahmenden Wahlkampf zum Präsidialsystem. Er weiß, dass nichts seine Landsleute mehr erregt als eine nationale Schmach, die es ihm ermöglicht, sich zugleich als Opfer und Kämpfer gegen „Rassisten und Faschisten“ aufzuspielen. Die Niederlande boten sich an, weil die Regierung wegen der heimischen Rechtspopulisten unter Druck steht.

EU-Regierungen dürfen den Irrsinn nicht mitmachen. Sie tragen Verantwortung für die türkischstämmigen Mitbürger. Wenn man diese in die Eskalation laufen lässt, setzt man sie möglichen Angriffen aus und gefährdet die innere Sicherheit. Aus dem Eklat lässt sich lernen, dass die EU eine Strategie gegen die Provokationen aus Ankara braucht. Man sollte Erdogans Spiel nicht mitmachen und die Politiker aus der Türkei reden lassen.

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