Kolumne

Die Erde geht auf

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Ein 24. Dezember veränderte vor 50 Jahren den Blick auf die Welt. Multikulti klappt im Weltraum, und die Botschaft von dort sollte gehört werden.

Heiligabend ist ein besonderer Tag. Nicht nur in der christlichen Welt. Denn an Heiligabend vor genau 50 Jahren, am 24. Dezember 1968, schoss die Besatzung der US-amerikanischen Apollo-8-Mission die ersten Fotos vom Aufgang der Erde über dem Mondhorizont.

Die sensationellen Bilder des Blauen Planeten bewegten nicht nur die Astronauten, sondern die ganze Welt. Eine wunderbar farbige, strahlende Kugel in der dunklen Ödnis des Weltalls. Das ist das Zuhause der Menschheit, und nach allem, was wir wissen, ist sie wohl einmalig.

Es wurde auch klar, dass die Erde einen falschen Namen hat. Unser Globus und seine Farbe sind weit mehr von Wasser geprägt als von Erde. Aber das hat sich jetzt mal eingebürgert, lassen wir es bei diesem Namen. Und auch den letzten Zweiflern wurde bewiesen: Sie ist keine Scheibe.

Zur Begeisterung über die Schönheit unseres Planeten gesellt sich in letzter Zeit zunehmend Nachdenklichkeit. Der Kommandant der International Space Station, Alexander Gerst, berichtete, was er aus dem Weltall sonst noch alles sah. Waldbrände, Abholzung, ausgetrocknete Böden, Hurrikane. Narben auf dem schönen Antlitz der Erde, geschlagen vom Wirken des Menschen.

Wir sollten uns bei unseren Enkeln dafür entschuldigen, in was für einem Zustand wir ihnen die Erde übergeben, meinte er. Aber er hoffe auch, dass wir vielleicht noch in unserer Generation „die Kurve kriegen“. Seiner Begeisterung über den Anblick der Erde aus dem All konnte das keinen Abbruch tun. Was er mit dem großen Blick von außen erfasste, erschließt sich in Nahaufnahmen noch sehr viel detailreicher. Plastikmüll, Feinstaub, Kohlendioxid, Anstieg des Meeresspiegels, Erosion sind nur einige wenige der allgegenwärtigen Bruchstücke aus der Riesenmenge von Phänomenen, welche ständig in den Nachrichten zu vernehmen sind.

Wie Astro-Alex mit seinen Kolleginnen und Kollegen von weit weg auf die Erde blickte, so könnten wir ja auch mal umgekehrt versuchen, den Blick von der Erde in die Raumstation zu werfen. Viele gleichermaßen neugierige wie banale Fragen drängen sich auf. Was machen die Raumfahrer, wenn sie plötzlich Zahnschmerzen bekommen? Wie gehen die aufs Klo? Und was essen die eigentlich? Machen die Sport, um fit zu bleiben?

Eines aber wird besonders klar. Die Menschen an Bord können weder schnell mal weg noch sich aus dem Weg gehen, wenn es Krach gibt. Sie müssen miteinander auskommen. Mehr noch, sie sind aufeinander angewiesen und können ihre Mission nur erfüllen, wenn sie zusammenarbeiten. Alles andere wäre wohl lebensgefährlich.

Moment mal, da vertragen sich Russen, Amerikaner, Deutsche auf engstem Raum, der Austausch auch der US-amerikanischen Mannschaften wird mit russischen Sojuskapseln durchgeführt. Multikulti an Bord funktioniert. Warum macht das dann hier unten solche Schwierigkeiten?

Die Menschheit wäre doch auch hier auf die reibungslose Zusammenarbeit der Nationen angewiesen, weil es sonst gefährlich werden könnte angesichts der globalen Umweltprobleme. Durchgeknallte Nationalisten, machtbesessene Politiker und andere Kriegstreiber haben – noch? – keinen Zugriff auf die internationale Kooperation in der Raumfahrt. Friede im Weltall und auf Erden, das wäre ein zeitgemäßer Weihnachtswunsch. Willkommen zurück, Herr Gerst, und danke für Ihre Botschaft!

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