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Entfremdet und ermüdet

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Von: Joachim Frank

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Frank-Walter Steinmeier.
Frank-Walter Steinmeier. © afp

Wenn das Staatsoberhaupt ein feineres Gespür für die Sorgen und Nöte des Gottesvolkes hat als das Kirchenoberhaupt, dann stimmt etwas nicht. Der Kommentar.

Die katholische Kirche ist im Krisenmodus. Der Katholikentag in Stuttgart macht das überdeutlich. Die Teilnahmezahlen sind auf erschreckend niedrigem Niveau und die Verantwortlichen räumen unumwunden ein, dass das an der Lage der Kirche liegt.

Umgekehrt proportional verstärkt sich eine Bewegung der Entfremdung, Ermüdung und Enttäuschung. Längst hat sie auch den Kern der Gemeinden und der Aktiven erfasst, von denen die Katholikentage stets gelebt haben. Das schwächt auch das politische und gesellschaftliche Zeugnis, das bei solchen Veranstaltungen eigentlich gleichrangig neben Glaubensfragen, Gemeinschaftserlebnis und religiöser Vergewisserung steht. Man wird sehen müssen, ob in Stuttgart tatsächlich eine Positionierung zum Ukrainekrieg gelingt, die den (Katholiken-)Tag überdauert.

Bezeichnend, dass die prekäre Lage und den Ruf nach Kirchenreformen zum Auftakt Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier formulierte – und nicht etwa der Papst. Wenn das Staatsoberhaupt ein feineres Gespür für die Sorgen und Nöte des Gottesvolkes hat als das Kirchenoberhaupt, dann stimmt etwas nicht.

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