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Donald Trump könnte am Ende ziemlich alleine dastehen.

Trump und Comey

Das Ende der Loyalität

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US-Präsident Donald Trump wird am Ende genau das Gegenteil dessen bekommen, was er so verzweifelt zu erpressen versucht.

Die Schilderung ist unglaublich eindrücklich – und einer Demokratie nicht würdig. Ein Präsident, der seinen obersten Ermittler unter vier Augen fragt, ob er wirklich seinen Job behalten will. Der von ihm eine Versicherung verlangt, dass gegen ihn nicht ermittelt wird. Der nahelegt, das Verfahren gegen seinen Ex-Sicherheitsberater einzustellen.

So etwas kannte man bislang nur aus Bananenrepubliken. Natürlich sind die Aussagen von Ex-FBI-Chef James Comey über seine Begegnungen mit dem US-Präsidenten kaum nachprüfbar, und Donald Trump bestreitet alles. Doch die ebenso peniblen wie detailreichen Aufzeichnungen unmittelbar nach den bizarren Gesprächen besitzen eine hohe Glaubwürdigkeit.

Wer Trumps egomanisches und cholerisches Verhalten in den vergangenen Monaten beobachtet hat, hegt wenig Zweifel daran, dass sich die Dinge so abgespielt haben. Damit tritt die seltsame Russland-Affäre, die nach Trumps eigenen Worten von Anfang an wie eine Wolke über seiner Amtszeit lag, in den Hintergrund.

Dass russische Hacker versucht haben, den US-Wahlkampf zu beeinflussen, gilt als erwiesen. Inwieweit es aber Absprachen der Trump-Kampagne mit Moskau gab, wird – wenn überhaupt - frühestens in ein paar Monaten geklärt sein. Schon jetzt aber bewahrheitet sich die alte PR-Weisheit, dass die folgenschwersten Fehler nicht zu Beginn, sondern bei der Aufarbeitung einer Affäre gemacht werden.

Trumps übergriffige Aktionen legen auf erschreckende Weise das autokratische Denken des Regierungschefs bloß. Sie hegen den Vedacht, dass er etwas zu verbergen hat. Und sie sind mit dem modernen Verständnis von Gewaltenteilung nicht zu vereinbaren.

Trumps Ende bedeuten die Enthüllungen freilich noch nicht. Zum einen streiten nun die Juristen, ob seine verschwurbelten Andeutungen formal den Tatbestand der Behinderung der Justiz erfüllen. Zum anderen müssten auch zahlreiche Republikaner einem darauf fußenden Amtsenthebungsverfahren zustimmen. Ein Jahr vor wichtigen Wahlen, die über ihr persönliches Schicksal entscheiden, ist fraglich, ob sie dazu bereit sind.

Die Geschichte lässt Trump nicht los

Aber klar ist: Diese Geschichte wird der Präsident nicht mehr los. Nicht nur wird Comey, der einst schon die populäre Fernsehköchin Martha Stewart wegen einer Falschaussage hinter Gittern brachte, keine Ruhe geben. Auch dürfte die Unruhe in Trumps Umfeld zunehmen. Dort gibt es kaum noch einen Mitarbeiter, der nicht gedemütigt wurde: Der Justizminister soll den Kopf für das Scheitern des Einreiseverbots hinhalten, der Pressesprecher darf kaum noch Pressekonferenzen geben und der Stabschef ist öffentlich zur Ablösung ausgeschrieben.

Der Fall des angesehenen Spitzenbeamten Comey, dem Trump am Ende sogar nach Mafia-Manier mit der Veröffentlichung von Gesprächsmitschnitten drohte, macht allen Lakaien im Weißen Haus überdeutlich, wie wenig sie sich auf die Gunst des Präsidenten verlasen können. So wird Trump am Ende genau das Gegenteil dessen bekommen, was er so verzweifelt zu erpressen versuchte: Nicht mehr, sondern weniger Loyalität.

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