Woanders gelesen

Ende und Anfang

Wagenknechts Rückzug kann für die Linke eine Chance sein

Nach dem angekündigten Rückzug von Sahra Wagenknecht aus der Spitze der Linken aus gesundheitlichen Gründen muss sich die Partei neu aufstellen. Dass kann hilfreich sein.

Dazu meint die „taz“: . „Wagenknecht war nie eine begnadete Fraktionschefin – das Administrieren hat sie Co-Chef Dietmar Bartsch überlassen. Sie übernahm die Talkshows. Doch Triumph ist fehl am Platz. Wenn die Partei klug ist, dann gewährt sie Wagenknecht einen gesichtswahrenden Abgang und lässt sie anschließend nicht in der politischen Versenkung verschwinden. Der Rückzug aus der Spitze eröffnet die Chance, jetzt längst fällige Debatten ohne machtpolitisches Taktieren zu führen – wie stellt sich die Linke Einwanderung und Integration vor, wie kann man die Wähler im Osten mobilisieren?“

Die „SZ“ findet: „Aktuelle Mehrheitsverhältnisse wie auch Koalitionspräferenzen anderer Parteien legen es nahe, dass Wagenknecht als Fraktionschefin einer Oppositionspartei das höchste Amt erreicht hatte, das für sie zu erreichen ist. Für die Linke ist ihr Rückzug in die hintere Reihe ein Einschnitt. Im aufgefächerten Spektrum der deutschen Politik brauchen gerade die kleineren Parteien Reizfiguren, um überhaupt Aufmerksamkeit für sich zu gewinnen. Wagenknecht vermochte es als eine der wenigen, ihre Partei im Gespräch zu halten – wenn auch im Guten wie im Schlechten.“

Die „Leipziger Volkszeitung“ sieht es so: Sahra Wagenknecht „ist kaltschnäuzig, in der Wirtschafts- und Finanzpolitik beschlagen und rhetorisch stärker als alle anderen in der Linken. Ihr Rückzug könnte sich in den Umfragen bemerkbar machen. Wagenknecht hat jedoch eine entscheidende Schwäche. Sie ist unwillig und unfähig, anderen zu dienen. Und ihr linksnationaler Kurs ist für SPD und Grüne nicht anschlussfähig. Die machtpolitische Isolation der Linken ist die Folge. Mit Wagenknecht hätte es also gewiss weiter Streit und keine Regierungsbeteiligung gegeben. Beides könnte sich nun ändern.“

Der „General-Anzeiger“ schreibt: „Wagenknecht muss sich eingestehen, dass sie sich schlicht verzockt hat. Ihr Versuch, Populisten von links und rechts anzusprechen, sich dabei in der Flüchtlingspolitik mit Einschränkungen bei der Zuwanderung gegen die eigene Parteispitze zu stellen, ist gescheitert.“

Für die „Volksstimme“ ist Sahra Wagenknecht eine „linke Identifikationsfigur“ und das Blatt überlegt, wer diese Funktion künftig übernehmen wird: „Allein kann das wohl niemand. Co-Fraktionschef Dietmar Bartsch, Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow und andere werden wechselseitig einspringen müssen. Von der Vorsitzenden Katja Kipping, Wagenknechts großer Konkurrentin, ist außer Linientreue nicht viel zu erwarten.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare