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Der entmachtete Präsident von Simbabwe, Robert Mugabe, bei einer Graduiertenfeier der Universiät am Freitag.

Simbabwe

Das Ende der Big Men

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In Simbabwe ist Robert Mugabe am Ende ? drei Jahrzehnte zu spät, aber immerhin. Er ist nicht der Einzige aus der alten Garde Afrikas: Auch andere wanken. Unser Leitartikel.

Das Spiel ist aus. Robert Mugabe sperrt sich zwar noch ein wenig, wie es von dem zum Kasper degenerierten Dauerrebellen nicht anders zu erwarten war. Doch sein zittriger Widerstand wird nicht mehr lange währen. Unterschreibt der simbabwische Präsident seine Demission nicht freiwillig, wird ihn seine Partei absetzen. Denn in der vordemokratischen Kaderschmiede haben die Generäle und Anhänger des „Krokodils“ Emmerson Mnangagwa inzwischen für eine Mehrheit gesorgt.

Die Zeit für den seit 37 Jahren regierenden Autokraten ist also abgelaufen: keine Sekunde zu früh, eher drei Jahrzehnte zu spät. Ein eindrückliches Beispiel für den Nutzen der Begrenzung einer Präsidentschaft auf zwei Amtszeiten, auch wenn das die Big Men des Kontinents aus naheliegenden Gründen nicht wahrhaben wollen.

Dabei hatte Robert Mugabe gar nicht schlecht angefangen. Als eindrucksvoller Befreiungsführer bezwang er in den 1970er Jahren das Rassistenregime des weißen Überlegenheitsfanatikers Ian Smith und reichte bei seinem Amtsantritt der weißen Minderheit im früheren Rhodesien die Hand zur Versöhnung.

Damit war es mit den Errungenschaften des Nationalhelden allerdings auch schon weitgehend getan: Mitte der 1980er Jahre schickte er seine Soldaten ins Matabeleland, um unter dem angeblich aufständischen Minderheitenvolk der Ndebele ein Massaker nach dem anderen anzurichten. Das westliche Ausland schaute nonchalant zu.

Serie katastrophaler Entscheidungen

Dann machte sich der Präsident daran, seine Macht mit Verfassungsänderungen auszudehnen. Und als sich dagegen Widerstand formierte, nahm Mugabe die weißen Farmer als Sündenböcke ins Visier. So konnte er sich nochmals als Rebell gegen die Relikte der Kolonialherrschaft profilieren. Derweil stürzte sein Ablenkungsmanöver das Land in eine ökonomische Abwärtsspirale, deren Ende noch immer nicht abzusehen ist.

Seit der Jahrtausendwende machte der Staatschef so ziemlich alles falsch, was falsch zu machen war. Die Serie seiner katastrophalen Entscheidungen gipfelte schließlich in dem Versuch, eine Mugabe-Dynastie zu gründen und seine unsägliche Gemahlin Grace zur Nachfolgerin zu krönen. Da ging selbst die Geduld seines treuesten Adlaten, des Krokodils Mnangagwa, zu Ende.

Mugabe ist ein versteinertes Beispiel dafür, dass gute Befreiungsführer keine guten Staatslenker sein müssen. Das Gegenteil ist wahrscheinlicher. In immerhin fünf Staaten des südlichen Afrikas sind noch heute die ehemaligen Befreiungsbewegungen an der Macht: neben Simbabwe auch in Angola, Namibia, Mosambik und Südafrika. Keine dieser Parteien hat sich nach der Machtübernahme mit Ruhm bekleckert.

Sie schlittern von einem Korruptionsskandal zum nächsten und würden ihre Opposition am liebsten per Gesetz verbieten. Ihre Parteien stehen alle auf vordemokratischen Fundamenten: Kaderorganisationen, die auf den Kampf gegen die Unterdrücker und nicht auf das Wohl des Volkes ausgerichtet waren. Deren Führer sind der Überzeugung, dass nun ihre Zeit „des Essens“ gekommen sei – womit sie meinen, dass sie nun genauso korrupt und ausbeuterisch wie ihre kolonialen Vorgänger herrschen können. Die Zauberlehrlinge der europäischen Fremdherrschaft.

Simbabwe muss radikal saniert werden

Nun ist zumindest in drei der fünf oben genannten Staaten Bewegung geraten. In Angola wurde der 38 Jahre lang herrschende Präsident Eduardo dos Santos aufs Abstellgleis geschoben. Sein Nachfolger macht sich derzeit daran, dessen nepotistisches Netzwerk aufzurollen. In Südafrika steht Jacob Zuma mit seinem Versuch vor dem Scheitern, den Staat insgesamt in seine Tasche zu stecken. Seine schamlose Plünderung der Staatsbetriebe und die Unterwanderung der öffentlichen Institutionen stößt selbst innerhalb der eigenen Partei auf Widerstand. Womöglich wird der Präsident nach dem ANC-Parteitag im Dezember ziemlich nackt dastehen.

Auch in Simbabwe war der Widerstand innerhalb der Partei entscheidend. Was die Opposition in zwei Jahrzehnten nicht vollbrachte, hat das Krokodil an einem Tag geschafft: den „semi-senilen“ Dauerpräsidenten außer Gefecht zu setzen.

Jetzt breitet sich Hoffnung in Harare aus. Manche sprechen sogar schon vom simbabwischen Frühling. Doch so weit ist es noch lange nicht. Denn Emmerson Mnangagwa könnte in den nächsten Tagen lediglich in die Kleider des abgedankten Kaisers schlüpfen und in Simbabwe alles beim Alten lassen.

Dagegen spricht indessen, dass das Krokodil noch fit genug ist, um den Ernst der Lage zu erkennen: Wenn aus dem heruntergewirtschafteten Land wieder etwas werden soll, muss es radikal saniert werden.

Ob Mnangagwa dazu willens und in der Lage ist, muss bezweifelt werden. Doch möglicherweise hat er eine Dynamik ausgelöst, die ihn selbst – wie es einst Michail Gorbatschow geschah – schlicht mit sich reißen wird. Insofern darf man für Simbabwe tatsächlich hoffen – genauso wie für Angola und Südafrika.

Soll bloß keiner sagen, dass aus dem Kontinent immer nur schlechte Nachrichten kommen.

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