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Kommentar

EM 2021: Homophobie in Ungarn - Erika Steinbach drückte deshalb die Daumen

  • Katja Thorwarth
    VonKatja Thorwarth
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Die AfD-nahe Politikerin Erika Steinbach hielt es bei der EM 2021 mit Ungarn. Zwar vergeblich, doch die Botschaft dürfte ihre reaktionäre Klientel erreichen. Ein Kommentar.

Berlin - Erika Steinbach, ehemalige CDU-Politikerin, mittlerweile jedoch parteilich* deutlich weiter nach rechts gerückt, ist in den sozialen Netzwerken äußerst aktiv. Dort tut sie ihre Meinung kund, twittert über ihr Befinden, retweetet Videos von Beatrix von Storch oder postet Bildbotschaften des Theologen David Berger.

Aktuell hat es Steinbach aber ein Thema ganz besonders angetan: Das ungarische Gesetz zur Einschränkung von Informationen über Homosexualität und Transsexualität sowie die daraus folgende Debatte zur UEFA und der Regenbogenbeleuchtung. Hierzu hat sie eine klare Haltung, wie sie auf Facebook vor dem EM-Spiel Deutschland gegen Ungarn kommuniziert. Erstmals werde sie „nicht der deutschen ‚Mannschaft‘, die sich ja ohnehin nicht mehr Nationalmannschaft nennt, die Daumen drücken, sondern den Ungarn“.

Erika Steinbach: Für die Ungarn wegen Orbans Gesetz

Grund ist nicht nur der fehlende Nationalpathos der DFB-Elf, sondern „die beschämende Kampagne gegen Ungarn, das ein Gesetz gegen Pädophilie und für das Elternrecht auf Erziehung der eigenen Kinder beschlossen hat“. Dies sei so unerträglich, „dass es anfängt mich zu gruseln“. Nun, ihre Daumen hat Steinbach vergeblich gedrückt, aber die Botschaft dürfte ihre reaktionäre Klientel dennoch erreicht haben. Und das kann oder will sich seinen Roll-back-Wahn einfach nicht abgewöhnen. Und setzt dabei ein besonders beliebtes Stilmittel ein: die Gleichsetzung von Pädophilie mit Homosexualität.

Erika Steinbach, Vorsitzende der Stiftung Desiderius-Erasmus.

Um das noch einmal klarzustellen: In dem Orbanschen Gesetz geht es in erster Linie darum, Bücher, Broschüren, Aufklärungskampagnen und Werbung zu verbieten, die eine andere Familie zeigen als das Höckesche Vater-Mutter-drei-Kinder-Modell. Das betrifft ebenso Aufklärungskampagnen in den Schulen, aber auch Werbespots im TV-Vorabendprogramm und Filme. Zusammengefasst soll queeres Leben aus der Gesellschaft getilgt werden.

Gesetzespaket von Orban: Homosexualität mit Pädophilie gleichgesetzt

Vorgeschoben wird stets das angebliche Kindswohl, das hier jedoch im Recht der Eltern besteht, ihren Kindern ein Leben im rosa-hellblauen heterosexuellen Wunderland aufzuzwingen, wo „Harry Potter“ und „Peter Pan“ als potenziell schwul auf dem Index stehen. Der Schaden, den Kinder und Jugendliche erfahren, denen Aufklärung schlicht verweigert wird, weil ein Gesellschaftsmodell den patriarchalen Machtanspruch als Fürsorge behauptet, ist der eigentliche Skandal - stattdessen wird die Sichtbarmachung realexistierender Vielfalt verteufelt.

Das Gesetzespaket, das Steinbach so feiert, ist mit „Änderungen von einigen Gesetzen zum strengeren Vorgehen gegenüber pädophilen Kriminellen sowie im Interesse des Kinderschutzes“ überschrieben. Doch entweder hat die AfD-nahe Politikern nur die Zeile gelesen, oder sie reitet aus aktuellem Anlass diese rechte Uraltmasche. Denn das Perfide ist, dass hier Pädophilie mit LGBT vermengt und in subtextuelle Kausalität gesetzt wird. „Ungarn ist sehr tolerant und geduldig gegenüber Homosexuellen“, hatte Orban im Herbst 2020 behauptet, um eine rote Linie zu markieren, die nicht überschritten werden dürfe: „Lasst die Kinder in Ruhe.“

Damit ist eigentlich alles gesagt, und Erika Steinbach täte gut daran, das Wohl von Kindern und Jugendlichen nicht für ihre propagandistischen Zwecke zu missbrauchen. (Katja Thorwarth)

* Transparenz: In der ursprünglichen Fassung war von „ideologisch“ die Rede. Die Autorin hat den aus ihrer Sicht inhaltlichen Fehler korrigiert.

Rubriklistenbild: © Matthias Balk / dpa

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