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Eine beschädigte Kinderpuppe.
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Eine beschädigte Kinderpuppe.

Kindesmisshandlung

Eltern als Serientäter

In Deutschland werden 70 Kinder krankenhausreif geprügelt - jede Woche. Zwei Rechtsmediziner berichten in ihrem neuen Buch von der offenbar weit verbreiteteten Kindesmisshandlung.

Von Abini Zöllner

Das ist mehr als ein Buch. Das ist eine Kampfansage. „Deutschland misshandelt seine Kinder“ klagen die beiden Berliner Rechtsmediziner Saskia Guddat und Michael Tsokos an. Auf 253 Seiten haben sie eine regelrechte Debattenvorlage verfasst, in der sie ihre Erfahrungen und ihre Vorwürfe bündeln, aber auch ihre Lösungsvorschläge.

In Deutschland werden jede Woche 70 Kinder krankenhausreif geprügelt; drei von ihnen sterben an den Folgen. Michael Tsokos, Berlins oberster Rechtsmediziner, sagt: „Seit 20 Jahren höre ich von den Ämtern ,Wir haben nichts falsch gemacht‘. Da frage ich mich: Wenn niemand etwas falsch gemacht hat, warum liegt das tote Kind vor mir?“

Dass der Tod von Kindern verhindert werden könnte, wenn der politische Rahmen besser wäre – das klingt unglaublich. Es gebe sie zwar, die engagierten Sozialarbeiter in Jugendämtern, doch müssten die gegen Aktenberge, lasche Gesetze und knappe Kassen kämpfen. Täglich. „Der Fehler“, so Tsokos „liegt im System.“

Als Rechtsmediziner haben Tsokos und seine Kollegin Saskia Guddat in der Tat tiefe Einblicke. Die beiden obduzieren nicht nur tote Kinder und untersuchen verletzte, sie gehen auch in die Wohnungen und zu Verhandlungen. Sie haben Kontakt mit der Polizei, den Ämtern und Gerichten. Sie können beschreiben, wie Jugendamtsmitarbeiter ihre Besuche ankündigen und dann falsche Kinder vorgeführt bekommen (meist Geschwister); oder wie Kinder zuvor mit Beruhigungsmitteln ruhig gestellt werden; oder die Tür erst gar nicht geöffnet wird. Sie kennen das dreiste Leugnen der Täter („höchstens ein Klaps“) und ihre unerhörten Schutzbehauptungen („vom Bett gefallen“). Sie wissen, wie asozial Eltern sein können – egal, ob in Villen- oder Brennpunktvierteln.

Unglaubliche Fälle haben die Autoren in ihrem Buch zusammengetragen. Um Kinder besser zu schützen, fordern sie null Toleranz gegenüber den Misshandlern. Jenes Elternteil, der das Kind nicht schützt, solle gezielt wegen „Unterlassung von Hilfe“ strafverfolgt werden. Die Autoren schlagen außerdem flächendeckende Schutzambulanzen mit geschultem Personal, Meldepflicht für Ärzte und eine generelle Leichenschaupflicht bei Kindern (ohne Vorerkrankung) vor.

Guddat und Tsokos bilanzieren: „Streng genommen laufen Hunderttausende Gewaltverbrecher frei herum – Männer und Frauen, die Kindern die Knochen gebrochen, sie verprügelt, verbrannt, verbrüht oder schwerst geschüttelt haben.“ Die Debatte müsse geführt werden.

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