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Für die Einheit interessiert sich kein Mensch

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Von: Markus Decker

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Mit einem Feuerwerk am Brandenburger Tor in Berlin feierten rund eine Million Menschen in der Nacht vom 2. auf den 3. Oktober 1990 die Einheit.
Mit einem Feuerwerk am Brandenburger Tor in Berlin feierten rund eine Million Menschen in der Nacht vom 2. auf den 3. Oktober 1990 die Einheit. © dpa

Gestern wurde der jährliche Jahresbericht über den Zustand von Gesamtdeutschland präsentiert. Er stieß trotz des 25. Jubiläums der Einheit am 3. Oktober auf sehr begrenzte Aufmerksamkeit. Ein Kommentar.

Die tiefere Wahrheit über die deutsche Einheit lieferte gestern weniger der alljährliche Bericht über den Zustand derselben als vielmehr die Begleitumstände, unter denen er präsentiert wurde. Im Saal der Bundespressekonferenz waren überwiegend ostdeutsche Journalisten anwesend sowie eine amerikanische und eine spanische Kollegin. Aus derlei Indizien lässt sich einmal mehr der  Schluss ziehen, dass viele im Westen die Einheit nicht als ihre Sache betrachten. Dazu passt eine Umfrage, die das Magazin Stern zeitgleich veröffentlichte.  Demnach waren 27 Prozent der Westdeutschen seit 1989 noch nie im Osten und 18 Prozent der Ostdeutschen noch nie im Westen. Das sind mit Blick auf das bevorstehende 25. Einheitsjubiläum am 3. Oktober irritierende und verstörende Zahlen.

Woran es noch immer mangelt, bringt der Bericht klar zum Ausdruck. Der Osten hinkt wirtschaftlich  um ein Drittel hinterher – und das seit Jahren. Der Stillstand scheint zementiert. Die Ursachen sind bekannt, in erster Linie der Mangel an Großunternehmen in den gar nicht mehr so neuen Ländern. Die Folgen sind ebenfalls unübersehbar. Die Lebensperspektiven im Osten werden nämlich auf Dauer schlechter bleiben. Und der Westen wird weiter Ausgleichszahlungen leisten müssen. Politische und soziale Abhilfe wäre also im Interesse aller, nicht zuletzt der Steuerzahler in den alten Ländern.

Eine breite Debatte wird sich freilich auch aus diesem Bericht und  trotz des Jahrestages nicht ergeben.  Es fehlt die Fantasie, wie der Misere noch beizukommen wäre. Vor allem  fehlt leider das Interesse. Siehe oben.

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