Kommentar

Einheit geht anders

  • Markus Decker
    vonMarkus Decker
    schließen

In der Debatte über den Stand der deutschen Einheit muss die Frage, ob der Osten zum Westen aufgeschlossen hat um die Frage ergänzt werden, wie sehr der Osten den Westen verändert hat. Ein Kommentar.

Die Debatte über den Stand der Deutschen Einheit verlief wie immer. Im Bundestag waren ostdeutsche Redner weitgehend unter sich und die Regierungsbank war ebenfalls wie immer: weitgehend leer. Damit war die Debatte weniger ein Beitrag zur Lösung der weiter existierenden deutsch-deutschen Probleme als ein Indiz dafür, woran es krankt.

Es fehlt an Aufmerksamkeit. 2019 war das noch anders. Da gab es eine Flut parteipolitischer Papiere zur Verbesserung der Lage in den „neuen“ Ländern. Spitzenpolitiker zog es in Scharen dorthin. Grund waren die Landtagswahlen in Brandenburg, Sachsen und Thüringen. Danach geriet Ostdeutschland wieder in Vergessenheit.

Das weitaus gravierendere Problem ist, dass Westdeutschland weder im Jahresbericht noch in der einschlägigen Debatte darüber vorkommt. Stattdessen geht es 30 Jahre nach der Vereinigung nach wie vor um die Frage, ob der Osten zum Westen aufgeschlossen habe – und wenn nicht, woran es noch fehle. Wie sich Westdeutschland seit 1989 verändert hat, ob womöglich sogar unter ostdeutschem Einfluss, und woran es ihm fehlt – das ist beinahe tabu. So entsteht ein schiefes Bild. Ostdeutschland wird als mangelhaft wahrgenommen und nimmt sich oft auch selbst so wahr. Einheit geht anders.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare