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Gedenken an Stauffenberg: Michael Kretschmer (CDU), Ministerpräsident von Sachsen, läuft beim Ehrengedenken der Bundeswehr auf dem Nordfriedhof an den Ehrengräbern der Generale des Widerstandes Friedrich Olbricht und Hans Oster entlang.

Kolumne

Von der Einheit des Gedenkens

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Jetzt wurden sie wieder geehrt, die Widerständler des 20. Juli 1944. Aber was ist mit all den anderen Gegnern der Nazis? Waren sie etwa keine guten Patrioten? Die Kolumne.

Als ich nach der Wende aus der Enge der DDR heraustreten durfte, lernte ich die inzwischen verstorbene Hildegard Hamm-Brücher kennen. Sie, die Liberale aus dem Westen, hatte die Widerstandsgruppe Weiße Rose unterstützt und so konnte ich, die Frau aus dem Osten, mit ihr auch über meinen Vater sprechen, der im bewaffneten Widerstand gekämpft hatte.

Ich sagte ihr, dass die deutsche Einheit für mich dann glaubhaft vollzogen sei, wenn auch die Geschichten des Widerstandes vereint werden. Dieser Gedanke beschäftigte mich sehr viel in den vergangenen Tagen.

Mit viel Pomp ist der Attentäter des 20. Juli gedacht worden. In einigen Kommentaren hieß es, man wisse ja, dass Stauffenberg und seine Mitverschwörer nicht gerade Demokraten gewesen seien und sich auch antisemitisch geäußert hätten. Doch dies sei nun einmal die Zeit gewesen, und man brauche Personen, die die Gegnerschaft zum Regime symbolisierten. Man müsse sie differenziert betrachten, ihre Taten seien ein Beispiel für guten Patriotismus.

Mein Vater war ein jüdischer Widerstandskämpfer. Er erzählte mir von der Erleichterung, die es für ihn bedeutet hatte, hinter einem winzigen Erdhügel verschanzt im spanischen Bürgerkrieg auf die angreifenden deutschen Flugzeuge zu schießen. Er sagte mir, wie wichtig es für ihn war, bei den französischen Partisanen im Untergrund, gegen die deutschen Besatzer zu kämpfen. Er war mit dabei, als Paris befreit wurde. Heldengeschichten, die nichts Heldisches hatten. Doch seine Geschichten und die der vielen jüdischen, kommunistischen, sozialdemokratischen Widerstandskämpfer sind 30 Jahre nach der Einheit in der deutschen Narration von Patriotismus nicht präsent. Das ist bitter.

Vielleicht ist es ja genau das: Patriotismus oder Nationalismus waren nicht deren erstes Motiv, sondern Widerstand gegen das Morden und gegen den Vernichtungskrieg oder einfach „nur“ Anstand. Gilt heute etwa der Widerstand ohne diesen, vom nationalen Pathos getragenen Patriotismus nicht?

Der unselige, noch immer braun gefärbte Zeitgeist des westlichen Nachkriegsdeutschlands tat sich schwer dabei, Widerstand überhaupt zu ehren. Und wenn, dann möglichst Männer, deren Distanz zum Regime nicht allzu groß war. So wie die Attentäter vom 20. Juli, denen nicht der Vernichtungskrieg und der Judenmord Grund genug war, sondern das vorhersehbare Versagen von Hitlers Kriegsführung. Und selbst sie galten bis in die 1980er-Jahre als Vaterlandsverräter.

Was ist mit den anderen, die wenigstens teilweise in der DDR gefeiert wurden? Sind Kommunisten, Sozialdemokraten, Juden nicht auch Deutsche? War ihr Ziel, die Befreiung, nicht ein Akt des humanistischen Patriotismus? Muss nicht auch dieser Widerstand „differenziert“ gesehen werden? Sogar der kommunistische? Und ist nicht die Befreiung letztlich nur gelungen, weil unzählige junge Menschen in den alliierten Armeen gegen den verbrecherischen, deutschen Nationalismus gekämpft haben und ihr Leben gaben? Die Deutschen haben es von allein nicht geschafft.

Ich wünschte, ich könnte zusammen mit Hildegard Hamm-Brücher eine Weiße Rose niederlegen. Dafür würde ich zum Bendlerblock mitgehen, wenn zugleich Widerstandskämpfer wie mein Vater geehrt würden – auf dem jüdischen Friedhof in Berlin- Weißensee. Die Einheit des Gedenkens an den Widerstand scheint mir aber so weit entfernt wie noch nie.

Anetta Kahane ist Vorsitzende der Amadeu-Antonio-Stiftung.

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