15-Jähriger auf Straße in Celle erstochen
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15-Jähriger auf Straße in Celle erstochen

Politisches Tatmotiv?

Tod eines Jungen in Celle: Die Sprache entlarvt die Blindheit der Behörden gegenüber Rassismus

  • Thomas Kaspar
    vonThomas Kaspar
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Ein junger Jeside wird getötet. Sofort will die Staatsanwaltschaft wissen: Keine Hinweise auf ein politisches Motiv. Obwohl das Aussehen des Opfers das Motiv lieferte.

Es ist gut, wenn Behörden nicht vorverurteilen, sondern neutral berichten. Nach der Tötung des 15-jährigen kurdischen Jungen in Celle kann davon aber keine Rede sein. Es ist vielfach entlarvend, wenn die Staatsanwaltschaft in ihrer Verlautbarung davon sprach, dass die bisherigen Ermittlungen keinen Hinweis auf eine „ausländerfeindliche oder politisch motivierte Tat“ ergaben.

Mit Rechten im Netz vernetzt

Die gleiche Dienststelle hatte 2006 geschrieben, dass 20 Rechtsextreme „zwei Ausländer“ durch die Celler Innenstadt verfolgt hatten. Auf den ersten Blick benennt das klar die Täter. Auf den zweiten trennt es sprachlich die Verfolgten von den „Inländern“. So sieht impliziter Rassismus aus.

Rassismus als Tatmotiv

Weil Menschen aufgrund unterschiedlichster Wurzeln anders aussahen, wurden sie zum Opfer. Das war in Hanau so und ist jetzt wieder in Celle so. Nach Hanau sollte bis in die letzte Sicherheitsbehörde vorgedrungen sein, dass der gezielten Auswahl nach Aussehen nur ein Motiv zugrunde liegt: Rassismus. Zusätzlich ist bekannt, dass der Täter in Celle im rechten Internet vernetzt war. Es gab also „keine Hinweise“?

Es ist gut, nicht vorschnell zu urteilen. Wer ebenso schnell Rassismus als Tatmotiv ausschließt, entkräftet bestimmt nicht den Vorwurf, die Polizei sei auf dem rechten Auge blind.

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