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Das deutsche und europäische Ziel der Klimaneutralität macht einen Strukturwandel hin zu einer treibhausneutralen Industrie in Deutschland bis 2050 unerlässlich.
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Das deutsche und europäische Ziel der Klimaneutralität macht einen Strukturwandel hin zu einer treibhausneutralen Industrie in Deutschland bis 2050 unerlässlich.

Gastbeitrag

Eine klimaneutrale Industrie ist machbar

  • vonFritzi Köhler-Geib
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Vor allem Firmen müssen viel ändern, um 2050 nachhaltig arbeiten zu können. Der Gastbeitrag.

Klimaneutralität in der Industrie bis 2050 zu erreichen, ist mehr als nur ein in Deutschland beschlossenes Ziel, es ist auch mit Technologien erreichbar. Diese Erkenntnis ist zum aktuellen Zeitpunkt zentral, denn sie kann der erforderlichen wirtschaftlichen Transformation den nötigen Schub zur Umsetzung verleihen.

Extreme Wetterlagen zeigen, wie dringlich es ist, die globale Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad Celsius zu begrenzen, und der internationale Klimaschutz gewinnt schnell an Dynamik. Neben Deutschland und der Europäischen Union haben Großbritannien, Japan, Südkorea und Kanada Klimaneutralitätsziele bis 2050 beschlossen.

China hat angekündigt, seinen Nettoausstoß an Kohlendioxid bis spätestens 2060 auf null zu bringen. Die USA sind als weltweit zweitgrößter Emittent von Treibhausgasen nach China dem Pariser Klimaschutzabkommen wieder beigetreten und stellen ebenfalls Klimaneutralität bis 2050 in Aussicht. Die Ziele müssen jetzt noch umgesetzt werden.

Bei dem herausfordernden Schritt, die Strukturen in der Wirtschaft zu wandeln, kommt der Industrie eine Schlüsselrolle zu. Mit einem Anteil von 23 Prozent ist der Industriesektor derzeit zweitgrößter Emittent von Treibhausgasen in Deutschland.

Das deutsche und europäische Ziel der Klimaneutralität macht einen Strukturwandel hin zu einer treibhausneutralen Industrie in Deutschland bis 2050 unerlässlich. Zentrale Hebel hierfür sind: Verbesserung der Energieeffizienz, Ausbau der Kreislaufwirtschaft, Elektrifizierung auf Basis Erneuerbarer Energien, Einsatz von Biomasse und grünem Wasserstoff, sowie CO2-Abscheidung und -Speicherung oder -Nutzung. Kürzlich erschienene Studien zeigen, dass das Ziel der Klimaneutralität mit unterschiedlichen Gewichtungen dieser Bausteine erreichbar ist.

Der klimagerechte Umbau der Industrie ist kein Selbstläufer. Insbesondere in den Grundstoffindustrien wie Stahl und Chemie sind grundlegende Umstellungen der Produktionsprozesse notwendig und erfordern hohe Investitionen. Viele Schlüsseltechnologien zur Dekarbonisierung sind noch im industriellen Maßstab zu skalieren.

Zudem werden große zusätzliche Mengen an Strom aus Erneuerbaren Energien sowie klimaneutraler Wasserstoff benötigt. Deshalb müssen Erneuerbare Energien in Deutschland vor diesem Hintergrund umso dringlicher ausgebaut werden.

Klimaneutraler grüner Wasserstoff, der mit Hilfe von Wasser und Strom aus Erneuerbaren Energien hergestellt wird, wird bisher weltweit nur in geringen Mengen in Demonstrationsanlagen produziert. Die nationalen und internationalen Lieferketten müssen aufgebaut werden.

Dabei eröffnet der hohe Reinvestitionsbedarf in der treibhausgasintensiven Grundstoffindustrie bis 2030 ein einmaliges Gelegenheitsfenster für den Strukturwandel. Da viele Schlüsseltechnologien zur Dekarbonisierung der Industrie unter den gegenwärtigen Marktbedingungen deutliche Kosten- und damit Wettbewerbsnachteile gegenüber herkömmlichen fossilen Technologien aufweisen, rechnen sich die Investitionen für die Unternehmen jedoch vielfach nicht.

Das ist ein typischer Fall von Marktversagen. Für eine breite Marktdurchdringung der notwendigen Klimaschutztechnologien bedarf es daher einer politischen Rahmensetzung und wirtschaftlicher Anreize auf nationaler und europäischer Ebene.

Neben einer kontinuierlichen Innovations- und Investitionsförderung ist vor allem ein verlässliches und ansteigendes CO2-Preissignal erfolgversprechend. Solange ein global harmonisierter CO2-Preis fehlt – zumindest auf G20-Ebene –, erhöhen Ausgleichsmechanismen für energieintensive und im internationalen Wettbewerb stehende Firmen – Stichwort „Carbon-Leakage-Schutz“ – die Akzeptanz der Transformation.

Der klimagerechte Umbau der Industrie ist eine große Herausforderung, bietet aber zugleich Chancen für zukünftige Wertschöpfung und Beschäftigung. Dies gilt beispielsweise für den Export von klimafreundlichen Technologien.

Angesichts der zunehmenden Anzahl von Ländern, die das Ziel der Klimaneutralität verfolgen, wird der Bedarf an emissionsarmen Technologien und Produkten weltweit steigen. Als aktuell zweitgrößter Exporteur von Klimaschutzgütern hat Deutschland hier eine gute Ausgangsposition. Das unveränderte Voranschreiten des globalen Temperaturanstiegs erfordert stärkere Klimaschutzanstrengungen.

Die Bewältigung der Corona-Krise und der Wiederaufbau der Wirtschaft müssen mit der Bekämpfung der Klimakrise Hand in Hand gehen. Letztlich trägt eine ambitionierte Klimaschutzpolitik zur Modernisierung der Volkswirtschaft bei und macht sie dadurch auch zukunftsfest.

Fritzi Köhler-Geib ist Chefvolkswirtin der KfW und leitet die volkswirtschaftliche Abteilung der Bankengruppe.

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